Heuriger 2.0: Fern von Kitsch und Kantinenküche

Kolumne26. August 2016, 15:00
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Warum eine neue Generation an Winzern ihre Lust am Ausschank entdeckt hat

Mit Schaudern erinnert man sich an Heurigenbesuche in der Vergangenheit – an ranzigen Liptauer, Pappendeckelschweinsbraten und muffelnden Erdäpfelsalat, an holzvertäfelte Räumlichkeiten mit dem Charme einer Familiengruft und natürlich an Eigenbauweine an der Grenze zur Genießbarkeit. Es gibt diese kulinarisch-önologischen Gruselkabinette immer noch, aber sie gehören zu einer aussterbenden Spezies, die hauptsächlich klischeeverklärten Touristen und Ausflüglern mit Gipsgaumen vorbehalten bleibt.

Eine neue Generation von Winzern hat hingegen ihre Lust an der öffentlichen Ausschank entdeckt – fern von Kitsch und Kantinenküche. Sie präsentieren sich lässig geschmackvoll. Was die Qualität betrifft, kennen sie kein Pardon: Bestes Futter aus Produkten, die die Bezeichnung Spezialitäten auch wirklich verdienen und natürlich geile Weine, die man sich allein wegen des Geschmacks – und nicht um sich das Ambiente schönzutrinken – in unvernünftig großer Menge einverleiben möchte.

Gut Oggau oder Kloster am Spitz im Burgenland gehören dazu, Göbel, Norbert Walter und der "Buschenschank in Residence" in Wien, die Weinbeisserei im Kamptal, Hannes Sabathi, Kögl oder Krispel in der Steiermark und die Weinhandwerkerei im Pulkautal. Alles Heurige mit Appeal, die so gar nicht vorgestrig daherkommen. (Christina Fieber, RONDO, 26.8.2016)

  • Die Tage des Pappendeckelschweinsbratens beim Heurigen sind gezählt.
    foto: derstandard.at

    Die Tage des Pappendeckelschweinsbratens beim Heurigen sind gezählt.

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