Das neunte Salzburger Scheitern

24. August 2016, 23:37
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Salzburg verliert nach lange Zeit starker Leistung gegen Dinamo Zagreb in der Verlängerung mit 1:2 und verpasst erneut die Champions League

Salzburg – Kapitän Jonatan Soriano ist doch noch fit geworden, das hat die Laune von Red Bull Salzbug gehoben. Der Spanier führte die Mannschaft am Mittwochabend also aufs Feld, es galt Vereinshistorisches, die erste Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League, zu erreichen. Achtmal ist das missglückt. Das Hinspiel bei Dinamo Zagreb hatte 1:1 geendet, die Ausgangslage war also bestens. Vermutlich sind deshalb immerhin 23.500 Zuschauer gekommen.

Nach etwa fünf Minuten übernahmen die Salzburger das Kommando, Trainer Oscar Garcia hatte das Team hervorragend eingestellt, man fand die richtige Balance zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Mut und Vorsicht. Es wurde wunderbar und flüssig kombiniert, die Kroaten waren immer nur Zweite, die Ballsicherheit verblüffte.

Chance um Chance

Valon Berisha scheiterte zunächst an sich selbst (9.), das 1:0 hing quasi in der Luft. In der 22. Minute ist es gefallen. Soriano passt quer auf Valentino Lazaro, der rennt von der Mittellinie los, lässt zwei Verteidiger stehen, sein Schuss aus rund 13 Metern landet via Unterkante der Latte zum 1:0 im Tor, ein ästhetisch wertvoller Treffer. Der 20-jährige Lazaro hatte schon in Zagreb gescort.

foto: apa/krugfoto
Jonatan Soriano konnte spielen, war im Finish aber offensichtlich nicht mehr fit. Da konnte Oscar Garcia wegen zweier Verletzungen aber nicht mehr wechseln.

Die Gäste waren an Harmlosigkeit kaum zu überbieten, Salzburgs Führung zur Pause war hochverdient. Und auch in der zweiten Halbzeit änderte sich am Spielverlauf recht wenig, Zagrebs Trainer Zlatko Kranjcar schaute finster drein. Bernardo vergab eine Topmöglichkeit (55.), Lazaro schied leicht angeschlagen aus (60.), der schottische Schiedsrichter Craig Thomson übersah ein Hands von Sigali, es hätte Elfer für Salzburg geben müssen (62.).

Später Ausgleich der Anfang vom Ende

Zagreb erwachte ein bisserl, passiert ist aber nichts. Bis zur 87. Minute: Stefan Lainer fälscht einen Schuss von Junior Fernandes leicht zum 1:1 ab. Pech. Hängende Köpfe. Verlängerung. Und das Schicksal nahm seinen Lauf.

95. Minute: Soudani schließt einen blitzsauberen Konter zum 1:2 ab, Gesamtscore 2:3. Salzburgs Sehnsucht nach Größe wurde zum neunten Mal nicht gestillt. Man muss in der billigeren Europa League fortsetzen. (red, 24.8.2016)

Champions League, Playoff-Rückspiel, Mittwoch

Red Bull Salzburg – Dinamo Zagreb 1:2 n. V. (1:1, 1:0)
Wals-Siezenheim, 23.500 Zuschauer, SR Thomson (SCO)

Tore:
1:0 (22.) Lazaro
1:1 (87.) Fernandes
1:2 (95.) Soudani

Salzburg: Walke – Schwegler (46. Lainer), Caleta-Car, Hinteregger, Ulmer – Laimer, Bernardo – Wanderson (67. Minamino), Berisha, Lazaro (61. Samassekou) – Soriano

Zagreb: Eduardo – Stojanovic, Sigali, Benkovic, Pivaric – Antolic (83. Schildenfeld), Jonas (73. Pavicic) – Soudani, Rog, Fernandes – Henriquez (62. Coric)

Gelbe Karten: Lazaro, Samassekou, Caleta-Car bzw. Sigali, Jonas, Stojanovic

Hinspiel 1:1, Zagreb mit Gesamtscore von 3:2 in der Gruppenphase der Champions League, Salzburg in der Gruppenphase der Europa League

Stimmen (via ORF):

Oscar Garcia (Salzburg-Trainer): "Das ist Champions League. Wir hatten gute Chancen. Der Fußball war unfair zu uns. Wir haben in der ersten Hälfte fantastisch gespielt. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Wir sind keine Maschinen und können nicht 90 Minuten so spielen. Wir waren heute einfach unglücklich. Die Verletzungen kann man nicht kontrollieren, sie haben das Spiel verändert. So ist Fußball."

Valentino Lazaro (Salzburg-Torschütze): Das Spiel hat gut angefangen. Von draußen war es hart zum Zuschauen, weil es einfach nicht gereicht hat. Ich weiß nicht, wie schwindlig dem Schiri ist, dass er diesen Elfmeter nicht gibt. Jeder geht in die Verlängerung, als hätten wir schon verloren. Da verstehe ich nicht, wie man so negativ sein kann. Die Chancen standen 50:50, da hat die Cleverness gefehlt."

Christian Schwegler (Salzburg-Verteidiger): "Ich bin vielleicht ein schlechter Verlierer, wenn ich behaupte, dass das ein klarer Elfmeter war. So etwas zu übersehen, das kann ich nicht in Worte fassen. Nichtsdestotrotz hätten wir die Führung über die Zeit bringen sollen. Aber fünf Schiedsrichter am Feld, und man übersieht so ein Scheiß-Handspiel. Wir hatten trotzdem noch die Chance auf das 2:0, jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da."

Konrad Laimer (Salzburg-Mittelfeldspieler): "Meine Leistung spielt keine Rolle. Die Mannschaft hat alles gegeben. Es tut umso mehr weh, wenn man so verliert. Wir haben alles Mögliche reingeworfen. Wir wollen das abhaken. Für mich gibt es kein eindeutigeres Handspiel. Es ist schwierig und tut weh, aber was soll man machen? Wenn wir das 2:0 machen, ist wahrscheinlich alles vorbei. Wir müssen daraus lernen."

Zlatko Kranjcar (Zagreb-Trainer): "Salzburg hat in der ersten Hälfte sehr gut gespielt, aber sie haben ihre Chancen nicht genutzt. In der zweiten Hälfte haben wir uns gut vorbereitet und sind gut hineingekommen. Ab dem 1:1 waren wir die bessere Mannschaft. Wir hätten dann vielleicht ein noch besseres Ergebnis erzielen können. Meine Mannschaft hat in der zweiten Hälfte viel Charakter gezeigt und auch guten Fußball gespielt. Wir waren defensiv gut organisiert und haben viele Chancen herausgespielt."

  • Valentino Lazaros Traumtor blieb unbelohnt.
    foto: apa/krugfoto

    Valentino Lazaros Traumtor blieb unbelohnt.

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