Kolumbiens Regierung und Farc-Rebellen schließen Frieden

25. August 2016, 11:44
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Vierjährige Verhandlungen auf Kuba beenden 50-jährigen Konflikt, Referendum am 2. Oktober

Bogotá/Havanna – Über 50 Jahre der Gefechte, Folter und Vertreibung in Kolumbien gehen zu Ende. Auf Kuba haben sich die Regierung und die linke Guerillaorganisation Farc auf einen Friedensvertrag geeinigt. "Nach über einem halben Jahrhundert der Kämpfe haben sich die Regierung und die Farc darauf verständigt, den bewaffneten internen Konflikt ein für alle Mal zu beenden", teilten die Unterhändler am Mittwoch mit. "Wir wollen nicht ein Opfer mehr in Kolumbien", hieß es in Havanna.

Der 200 Seiten starke Vertrag, der noch dem Kongress vorgelegt und allgemein publik gemacht werden soll, ist der Auftakt zur Entwaffnung der rund 7000 Farc-Kämpfer, die in den kommenden sechs Monaten unter Schirmherrschaft der Uno stattfinden wird.

"Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen", sagte Präsident Juan Manuel Santos. "Machen wir aus unserer Nation das Land, von dem wir immer geträumt haben: Ein Land in Frieden." Mit der Einigung wird der älteste Konflikt Lateinamerikas beigelegt. In den Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit den 1960er-Jahren über 220.000 Menschen ums Leben.

Farc räumen Fehler ein

"Der Krieg ist vorbei", sagte der Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle. "Die Farc hören auf, als bewaffnete Gruppe zu existieren, und beginnen ihr Leben in der Demokratie." Die Rebellen werden Vertreter ins aktuelle Abgeordnetenhaus und den Senat entsenden, die dort Rederecht aber kein Stimmrecht haben. Mit Ende der Legislaturperiode 2018 dürfen die Farc dann als Partei an Wahlen teilnehmen.

"Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen: den Frieden in Kolumbien", sagte der Delegationschef der Farc, Iván Márquez. Die Guerilla räumte ein, für die Opfer des Konflikts mitverantwortlich zu sein. "In jedem Krieg werden Fehler gemacht", sagte Márquez. "Unser Beileid für die Familien der Opfer. Reichen wir uns die Hände und rufen gemeinsam: Nie wieder."

Einigung international begrüßt

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Einigung. "Jetzt wo die Verhandlungen abgeschlossen sind, braucht es genauso entschlossene und beispielhafte Anstrengungen, um den Vertrag umzusetzen", sagte Ban. US-Präsident Barack Obama gratulierte der kolumbianischen Regierung zu dem Friedensvertrag.

In der kolumbianischen Haupstadt Bogotá feierten Hunderte auf den Straßen das Ende des Konflikts. "Ich bin zu Tränen gerührt, dass mein Traum nun endlich wahr wird", sagte Isabella Vernaza, die von der Guerilla entführt worden war. Von einer "guten Nachricht" sprach Jineth Bedoya, Vertreterin von Opfergruppen. Zugleich warnte sie vor verfrühtem Jubel: "Die große Herausforderung, das Plebiszit über die Friedensverträge und deren Umsetzung, liegen noch vor uns."

Ausgang der Volksabstimmung am 2. Oktober ungewiss

Denn am 2. Oktober müssen die Kolumbianer das Paket noch in einer Volksabstimmung billigen. In den jüngsten Umfragen lagen Befürworter und Gegner des Friedensabkommens mit jeweils rund 31 Prozent gleichauf.

"Die Kolumbianer halten den Schlüssel zu ihrer Zukunft in den Händen", sagte Kolumbiens Präsident Santos. Der Frieden werde dem südamerikanischen Land mehr Bildung, Tourismus, Arbeitsplätze und Wohlstand bringen. Der Leiter der Regierungsdelegation, Humberto de la Calle, beschwor seine Landsleute, den Friedensvertrag anzunehmen: "Die Zukunft des Landes steht auf dem Spiel."

Weitreichende Amnestie

Der Frontkämpfer der Friedensgegner, Expräsident Alvaro Uribe, sprach von einer "Kapitulation vor Terroristen", denen das Abkommen Straffreiheit garantiere. Damit spielte er auf die weitreichende Amnestie an, auf die man sich geeinigt hatte: Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss demnach mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen.

Zudem einigten sich die Unterhändler in den Verhandlungen bereits auf eine Landreform, auf neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer.

Die EU stellte Kolumbien für die Zeit nach dem Konflikt wirtschaftliche Unterstützung in Aussicht. Insgesamt stünden mehr als 400 Millionen Euro zur Verfügung, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zuletzt bei einem Besuch in Bogotá. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini begrüßte die Einigung. Dies sei ein "Grund zum Feiern", sagte Mogherini am Donnerstag. "Es ist eine historische und einmalige Chance auf Frieden in Kolumbien." (APA, wss, red, 25.8.2016)

  • Der Leiter der Regierungsdelegation Humberto de la Calle (rechts) und Farc-Delegationschef Iván Márquez (links) unterzeichneten am Mittwoch in Havanna den Friedensvertrag – der kubanische Außenminister Bruno Rodriguez (Mitte) applaudiert.
    foto: ap photo/ramon espinosa

    Der Leiter der Regierungsdelegation Humberto de la Calle (rechts) und Farc-Delegationschef Iván Márquez (links) unterzeichneten am Mittwoch in Havanna den Friedensvertrag – der kubanische Außenminister Bruno Rodriguez (Mitte) applaudiert.

  • In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá wird die Beilegung des mehr als 50 Jahre andauernden Konfliktes zwischen Regierung und Farc-Rebellen gefeiert.
    foto: reuters/john vizcaino

    In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá wird die Beilegung des mehr als 50 Jahre andauernden Konfliktes zwischen Regierung und Farc-Rebellen gefeiert.

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  • "Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen", sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos.
    foto: apa/afp/colombian presidency/efr

    "Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen", sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos.

  • Die Farc-Rebellen – hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 1999 nahe der Stadt San Vicente de Caguan – wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten.
    foto: reuters/file photo

    Die Farc-Rebellen – hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 1999 nahe der Stadt San Vicente de Caguan – wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten.

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