Unschuldszumutung

Kolumne24. August 2016, 17:01
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Für mich gilt die Unschuldsgewissheit

Nein, für mich gilt nicht die Unschuldsvermutung. Für mich gilt die Unschuldsgewissheit. Natürlich hat mein Anwalt recht. Der Prozess gehört abgewürgt. Die Anklage ist Schwachsinn. Was soll daran verwerflich sein, einen Tatplan zu haben? Jeder Mensch, der noch irgendwas vom Leben will, hat einen, sonst braucht er in der Früh gar nicht aufzustehen. Der Staatsanwalt hat doch keine Ahnung, wie schlimm es für die anderen ist, wenn einer keinen Tatplan mehr hat. Der soll über dieses Thema mal mit meiner Frau sprechen.

Außerdem: Was heißt schon Indizien? In Wikipedia steht, Indizien sind Hinweise, die den Rückschluss auf das Vorliegen einer Tatsache zulassen. Klar, wenn man einen Tatplan hat, schafft man auch Tatsachen. Ohne Plan, keine Sachen. Deshalb kann nur derjenige, der den Plan gemacht hat, auch sagen, wie die Sachen wirklich sind. Nämlich ganz anders als die zu wissen glauben, die den Plan nicht gemacht haben. Zum Beispiel die Kontobewegungen. Immer wenn von einem Liechtensteiner Schwarzgeldkonto Bargeld abgehoben wurde, ist kurz darauf ein ganz ähnlicher Betrag bar auf eines meiner Konten eingezahlt worden. In der Physik nennt man das Quantenverschränkung, in der Psychologie Synchronizität, niemand regt sich drüber auf, bei mir ist es ein Skandal. Dann heißt es: "Warum dauernd Bargeld im Koffer und im Kuvert und nach Kassaschluss?"

Hallo? Kontogebühren? Überweisungsgebühren? Bankomatgebühr? (Hab ich damals schon gespürt, dass die kommen wird.) Meine Schwiegermutter will mein Talent als Geldanleger testen, und da soll ich ihr mit irgendwelchen Kaszetteln und Banköffnungszeiten daherkommen?

Ach so, ich hab sie ja gar nicht wirklich getroffen, sagt der Herr Staatsanwalt, weil sie sich nicht daran erinnern kann und das laut meinem Bewegungsprofil auch gar nicht möglich gewesen wäre. Na dann hab ich sie halt verwechselt. Bei jemand, der so viele Schönheitsoperationen hinter sich hat wie meine Schwimu, kann das doch wohl bitte einmal passieren. Aber mir glaubt man ja nicht einmal meine eigene Unterschrift. Wenn ich mich dann deshalb zu Hause hinsetze und eine neue Unterschrift übe, wollen sie mir auch einen Strick draus drehen und mich damit wirtschaftlich vernichten, weil sie wissen, dass auf ansichtskarten-center.de für meine unterschriebene Autogrammkarte 5,99 Euro gezahlt werden!

Die glauben womöglich, mir tut das nicht weh, weil mir ja die supertolle Briefkastenfirma aus Belize mit Konto in Liechtenstein gehört hat. Aber die hat nicht mir, sondern meinem Vermögensverwalter gehört und war für das Vermögen von seiner Oma. Dass die Oma gar kein Vermögen hatte, ist wirklich kein Argument, einen Briefkasten montiert man ja auch nicht ab, nur weil einmal keine Post kommt. Auf jeden Fall haben wir den letzten Willen der alten Dame erfüllt, indem sich meine Frau um das Geld Ohrringe gekauft hat.

Alles supersauber, aber egal was ich sage: Ich bin für diese unter dem Deckmantel der Justiz agierende abscheuliche Neidgesellschaft nicht nur zu jung, zu intelligent, zu gut ausgebildet, aus zu gutem, wohlhabendem Haus und zu schön. Ich bin auch zu unschuldig. (Florian Scheuba, 24.8.2016)

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