Forscher glauben Auftraggeber der Himmelsscheibe von Nebra identifiziert zu haben

24. August 2016, 16:00
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"Gottgleicher" bronzezeitlicher Herrscher aus dem heutigen Sachsen-Anhalt gilt als wahrscheinlicher Kandidat

Dieskau – Ein bronzezeitlicher Fürst, der in einem als "Bornhöck" bezeichneten Grab nahe Dieskau in Sachsen-Anhalt bestattet wurde, ist nach Ansicht von Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit der Auftraggeber der Himmelsscheibe von Nebra. "Das ergaben neueste Forschungen", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Mittwoch an der Grabungsstelle, fügte aber hinzu: "Weitere Untersuchungen laufen noch."

Die Goldapplikationen auf der bronzenen Himmelsscheibe von Nebra gelten als älteste konkrete Sternenabbildung der Welt, zu sehen sollen nach Meinung von Archäologen außer Sonne und Mond unter anderem die Plejaden sein. Die Scheibe wurde vor 3.600 Jahren zusammen mit anderen bronzenen Gegenständen auf dem Mittelberg bei Nebra vergraben. Zuvor war die etwa 32 Zentimeter große, annähernd kreisrunde Scheibe an die 300 Jahre in Benutzung gewesen.

"Gottgleicher Herrscher"

Der Fürst und mögliche Auftraggeber der Scheibe hatte seinerseits ein wahres Monument hinterlassen: "Mit einem Durchmesser von rund 70 Metern und einer Höhe von 15 Metern war die als 'Bornhöck' bekannte Begräbnisstätte das größte Hügelgrab Mitteleuropas", sagt Meller. Im Zuge des Braunkohleabbaus wurde das Fürstengrab allerdings im 19. Jahrhundert fast vollständig abgetragen. Dennoch haben die Archäologen seit 2014 in drei Grabungskampagnen tausende Knochen- und Keramikfunde gemacht. Zudem wurde nachgewiesen, dass der Grabhügel in der Bronzezeit weiß gekalkt und bunt bemalt war.

"Der Fürst wurde vor etwa 3.800 Jahren bestattet und war aufgrund der enormen Goldbeigaben ein gottgleicher Herrscher über die Region, vergleichbar mit den Pharaonen im alten Ägypten", sagte der Landesarchäologe. "Nur der Herrscher hatte das geheime astronomische Wissen und er ließ es auf der Himmelsscheibe verewigen." Der Reichtum des Herrschers resultierte aus der Kontrolle des Fernhandels zwischen Süd und Nord. Während Raubgräber im Mittelalter einen Stollen in die Mitte des Hügels trieben und die Hauptgrabkammer trafen, wurde 1874 eine Nebenkammer ausgeraubt.

Von dem über einen Kilogramm schweren Goldschatz aus dem 19. Jahrhundert sind fünf Stücke, vier Armringe und ein Beil, erhalten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lagen diese Funde in den Staatlichen Museen in Berlin, jetzt im Puschkin-Museum Moskau. "In der Nähe des Herrschergrabes wurden jetzt aus der Luft weitere Gräber der bronzezeitlichen Oberschicht entdeckt, wir können deshalb von einer Herrschaftslandschaft sprechen", sagte Meller. "Möglicherweise lag bei Dieskau ein zentraler Bestattungsort einer Dynastie von Fürsten", sagte der Archäologe. Die Grabungen werden im nächsten Jahr fortgesetzt. (APA, red, 24. 8. 2016)

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