Ferdinand Penker: Krähenmord und andere Abstraktionen

24. August 2016, 16:06
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Eine Ausstellung im Schloss Wolfsberg gedenkt des 2014 verstorbenen Künstlers Ferdinand Penker

Klagenfurt – Der malerische Urakt ist ein Farbstrich auf einer Unterlage. Kommt es beim Auftrag zu einem Innehalten, bleibt dort, wo das Malgerät, sagen wir: der Pinsel, die aufgelösten Pigmente vor sich herschiebt, eine kleine Welle. Gewöhnlich wird sie durch abermaliges Darüberstreichen gleich wieder entfernt.

Da schwelgt die Malerei schon in Farbe und Form. Dass ein ganzes Lebenswerk sich dieser Lust verweigert, immerzu beim elementaren Farbstrich bleibt und aus den Wellen des Innehaltens, Farbstrich unter Farbstrich, endlich sublime Nähte webt, die das entstehende Bild strukturieren, lässt sich wahrscheinlich in der österreichischen Gegenwartskunst nur von einem sagen: von dem 2014 mit 64 Jahren verstorbenen Ferdinand Penker. Diesem 1950 in Klagenfurt geborenen, nach dem Studium der Medizin und Kunstgeschichte zum Maler gewordenen Minimalisten, dessen Arbeiten wie Detailbaupläne des Unverwirklichbaren wirken, ist im Schloss über Wolfsberg derzeit eine von seiner Witwe, Dor Leitner-Penker, kuratierte, außerordentlich interessante Ausstellung gewidmet.

Obsessive Arbeit

Wer Penker kennt, wird im ersten Ausstellungsraum die Gelegenheit schätzen, die bereits 2012 begonnenen Vorbereitungsarbeiten des Künstlers für die große Ausstellung im Grazer Museum der Wahrnehmung, die er letztlich nicht mehr erlebt hat, auszugsweise noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Eine Überraschung auch für Penker-Kenner bietet der zweite Ausstellungsraum: Rund hundert Papierblätter, alle während eines dreimonatigen Krakau-Aufenthalts 1999 entstanden, belegen nicht nur die akkurate, seriell vorangetriebene optische Kalkulation, sondern vor allem auch die obsessive Arbeit am Werkblock. Leise erschließt sich der fast andächtige Charakter dieser Werke.

Dass Penker seinen Streifen auch räumliche Ausdehnung verlieh, belegt eine Installation im Foyer: Eine Gruppe ziegelrot geäderter Balken ruht in einer penibel entwickelten Balance. Im selben Raum erinnern vier Radierungen an den stilistisch einflussreichen elfjährigen USA-Aufenthalt des Künstlers (1977-1987). Prachtvoll daneben ein tiefblaues Temperablatt von 1997/98, bei dem man an den Grundriss einer im Meer versunkenen Anlage denken kann.

Auf 28 Pulten findet man im nächsten Raum je eine der 28 Farbabbildungen des 2003 entstandenen Bandes A Murder of Crows. Der seltene Fall, dass eine Arbeit Penkers betitelt ist, verdeutlicht seine offenbar stets vorhanden gewesene Anteilnahme an der gesellschaftlichen Realität, aller Abstraktheit seines Schaffens zum Trotz.

Abgerundet wird die Ausstellung mit einer Serie von 14 grünfärbigen Strichanordnungen von 2001 sowie einer sehr musikalischen Gemeinschaftsarbeit mit dem 1948 in Essex geborenen britischen Künstler Trevor Sutton. (Michael Cerha, 25.8.2016)

Di-So, 10-18 Uhr, noch bis 28. August

  • Ein Minimalist, der auch als politisch hellwacher Kopf zu überzeugen wusste: Ferdinand Penkers Abbildungen aus dem Band "A Murder of Crows" (2004).
    foto: penker

    Ein Minimalist, der auch als politisch hellwacher Kopf zu überzeugen wusste: Ferdinand Penkers Abbildungen aus dem Band "A Murder of Crows" (2004).

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