Nicht nur Zugvögel: Fledermausschwärme ziehen über Europa

24. August 2016, 16:46
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Zug der Rauhautfledermäuse übertrifft laut deutschem Forscher jede andere Wanderung von Säugetieren

Berlin – Auf ein Naturschauspiel, das bislang bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt wie die saisonalen Wanderungen von Zugvögeln, weist der Forschungsverbund Berlin hin: Fledermäuse haben begonnen, sich in Richtung ihrer Winterquartiere aufzumachen und ziehen dabei über Europa.

Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii) haben eine Flügelspannweite von bis zu 25 Zentimetern und sind an Waldrändern ebenso anzutreffen wie in städtischen Parks. Im Sommer halten sie sich überwiegend im Nordosten Europas auf, wo sie ihre Jungen aufziehen. Naht der Herbst, ziehen sie zu Millionen Richtung Südwesten.

Aufbruchsstimmung

Laut dem Forschungsverbund hat die diesjährige Herbstwanderung in der Nacht vom 20. auf den 21. August eingesetzt. Fledermausforscher nahe der lettischen Ortschaft Pape standen an der Küste und beobachteten, wie die Tiere im Sekundentakt vorbeizogen. Ein Teil der Fledermäuse sollte in einer Trichterfalle gefangen werden, die im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und der Lettischen Universität in Riga betrieben wird.

Insgesamt fingen und beringten die Fledermausforscher mehr als 1.500 Fledermäuse, vor allem Rauhautfledermäuse und die erst Anfang dieses Jahrtausends als eigene Art erkannten Mückenfledermäuse. Nach der Beringung setzten die Tiere ihre Reise fort. Werden diese Tiere später wiedergefunden, liefert dies wichtige Informationen über die Zugwege und Überwinterungsgebiete der Fledermäuse.

Wanderung der Superlative

"Wir tappen bezüglich der Fledermausmigration großteils wortwörtlich im Dunkeln" sagt IZW-Forscher Christian Voigt. Aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise und fast lautlosen Fortbewegung ist die Beobachtung von Fledermäusen eine echte Herausforderung. Lediglich einige Wiederfunde von beringten Tieren und die akustische Erfassung der Echoortungsrufe migrierender Fledermäuse lassen das Ausmaß der jährlichen Wanderbewegungen erahnen.

"Diese jährlichen Wanderbewegungen bergen zahlreiche Superlative – auch wenn dies bisher der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Die sieben Gramm schwere Rauhautfledermaus beispielsweise kann jedes Jahr mehr als 4.000 Kilometer zurücklegen. Diese Wanderungen übertreffen bezüglich Kopfzahl und zurückgelegter Distanz alles, was für Säugetiere bekannt ist. Selbst die wandernden Herden der Gnus in der Serengeti und die sie verfolgenden Tüpfelhyänen legen keine größeren Distanzen zurück", so Voigt. (red, 24. 8. 2016)

  • Für Rauhautfledermäuse und andere Arten hat sich in jüngster Vergangenheit eine ganz neue Gefahrenquelle aufgetan: Jährlich fallen tausende – nach Schätzungen von Experten sogar hunderttausende – Tiere Windkraftanlagen zum Opfer.  Sie kollidieren mit den Rotorblättern oder sterben an den von diesen ausgelösten enormen Druckschwankungen.
    foto: apa/dpa

    Für Rauhautfledermäuse und andere Arten hat sich in jüngster Vergangenheit eine ganz neue Gefahrenquelle aufgetan: Jährlich fallen tausende – nach Schätzungen von Experten sogar hunderttausende – Tiere Windkraftanlagen zum Opfer. Sie kollidieren mit den Rotorblättern oder sterben an den von diesen ausgelösten enormen Druckschwankungen.

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    foto: christian voigt/izw
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