Zara-Kleidung mit recycelten Fasern aus Oberösterreich

24. August 2016, 08:05
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Spanischer Konzern verkauft Kleidung mit Lenzing-Fasern in seinen Geschäften – Zusammenarbeit mit anderen Marken geplant

Wien/Lenzing – Der oberösterreichische Faserkonzern Lenzing geht eine Kooperation mit dem spanischen Textilriesen Inditex ein, zu dem Marken wie Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti und Bershka gehören. Lenzing verarbeitet künftig die Baumwollabfälle der Spanier zu Fasern. Aus diesen werden dann wiederum Kleidungsstücke gemacht, die in den Läden von Inditex verkauft werden sollen.

"Wir sind auch mit anderen Marken in Gesprächen", kündigte Lenzing-Chef Stefan Doboczky am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse an. Jedes Jahr würden weltweit 150 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Dabei fielen Unmengen von Stoffabfällen an. Zumindest einen Teil davon will Lenzing in Zukunft recyceln.

Zu Spezialfasern weiterverarbeitet

"Wir haben nicht vor, der nächste Garn- oder Stoffhersteller zu werden, wollen aber in verschiedenen Schritten der Wertschöpfungskette einen Mehrwert generieren", sagte Doboczky. Die Abfälle der Zuschnitte von Inditex sollen im Werk in Heiligenkreuz zu Spezialfasern verarbeitet werden. In welchen Mengen, verriet der Vorstandschef nicht.

Lenzing fokussiert sich schon länger auf seine Spezialfasern Tencel und Modal, an denen es mehr verdient als an Viskose. Der Konzern litt lange an einem Preisverfall auf dem Viskosefasermarkt. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil von Spezialfasern an den Umsatzerlösen von 42,4 auf 50 Prozent steigen.

Umsätze steigen

Mit den anziehenden Preisen steigen bei Lenzing auch die Umsätze. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 8,3 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro, während sich das Betriebsergebnis (Ebit) auf rund 130 Millionen Euro mehr als verdoppelte. Unter dem Strich verdiente Lenzing 94,6 Millionen Euro, ein Plus von fast 84 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2015.

"Es war ein ausgezeichnetes Halbjahr für Lenzing", resümierte Doboczky. Nach diesen Zahlen und aufgrund des guten Umfelds auf dem Fasermarkt ist der Vorstand für das Gesamtjahr "noch optimistischer, als wir im ersten Halbjahr waren". Doboczky geht von einem "ausgezeichneten Ergebnis und damit einer substanziellen Verbesserung gegenüber dem Geschäftsjahr 2015" aus. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Über 6.000 Beschäftigte

Aktuell beschäftigt der Faserkonzern weltweit 6.085 Personen, mehr als die Hälfte davon in Österreich. Lenzing hat Werke in China, Indonesien, USA, England, Tschechien und Österreich. Von den politischen Unruhen in der Türkei, einem der wichtigsten Fasermärkte der Welt, sieht sich das Unternehmen nicht betroffen. Das Geschäft sei stabil, aber man betrachte die Situation im Land "mit viel Intensität", sagte Doboczky auf Nachfrage.

Derzeit ist der Faserhersteller auf der Suche nach einem technischen Vorstand. Momentan besteht der dreiköpfige Vorstand neben Doboczky aus Thomas Obendrauf (Finanzvorstand) und Robert van de Kerkhof (Vertriebsvorstand). (APA, 24.8.2016)

  • Lenzing hat seinen Gewinn fast verdoppelt.
    foto: reuters / hanna

    Lenzing hat seinen Gewinn fast verdoppelt.

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