VW-Lieferboykott: Noch eine Schwachstelle

Kommentar23. August 2016, 17:51
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Ein Weltkonzern wie VW muss die Weitsicht haben, Schwachstellen zu sehen und zu reparieren

Der Lieferboykott der Prevent-Gruppe gegen Volkswagen ist beendet – und damit ein weiteres unrühmliches Kapitel für den Autoriesen. Nach dem Abgasskandal zeigt die Episode, dass VW bei einem weiteren Kernstück des Konzernmanagements falschgelegen ist.

Denn so viel wurde klar: Der vermeintliche Zwerg ist keiner. Immerhin konnte er einen der größten Autokonzerne mit mehr als 600.000 Beschäftigten so empfindlich treffen, dass ein Teil der Produktion zum Erliegen kam. Die von der Familie Hastor kontrollierte Prevent-Gruppe hat neue Zuliefergruppen gebildet, die es ermöglichen, Großen Paroli zu bieten. Die lange am kürzeren Hebel sitzenden Kleinen lassen sich nicht mehr alles gefallen.

Die Autokonzerne – darunter auch VW – nahmen die oft mittelständischen Lieferanten immer fester an die Kandare. In einer Welt des Kostendrucks gaben nicht wenige von ihnen auf oder wurden aufgekauft. VW und andere haben das System perfektioniert. Aus gutem Grund: Gelingt es laut Fachleuten, die Einkaufskosten im VW-Konzern um nur ein Prozent zu senken, steigt der Konzerngewinn um 1,5 Milliarden Euro.

Dass die Strategie Schwächen hat, zeigt sich jetzt deutlich. Die VW-Einkäufer waren offensichtlich trotz dieses gewaltigen Hebels nicht gut genug über ihre Lieferanten informiert. Ein Weltkonzern wie VW muss die Weitsicht haben, solche Schwachstellen zu sehen und zu reparieren. (Regina Bruckner, 23.8.2016)

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