Liste will Rückkehrhilfe für türkische Arbeitsmigranten

24. August 2016, 07:00
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Die migrantische Arbeiterkammer-Fraktion NBZ fordert eine Unterstützung für Türkinnen und Türken, die sich in Österreich unerwünscht fühlen

Bregenz – Viele in Vorarlberg lebende Türken würden wieder zurück in die alte Heimat wollen und forderten Rückkehrhilfe: Das schreibt die Vorarlberger Arbeiterkammer-Fraktion NBZ (Neue Bewegung für die Zukunft) in einem offenen Brief an Landeshauptmann Markus Wallner. Der Grund: Österreichs Spitzenpolitiker ließen Empathie gegenüber der Türkei vermissen, seien feindselig.

Die Migrantenliste NBZ, seit 1999 in der Arbeiterkammer vertreten (aktuell vier Mandate), trat via Facebook an die Öffentlichkeit. Kammerrat Adnan Dincer zum STANDARD: "Wir haben über 1.000 Mails bekommen, in denen seit Jahren hier lebende türkische Familien sagen, dass sie in die Türkei zurückmöchten, weil sie hier unerwünscht seien."

Zugehörigkeitsgefühl gesunken

NBZ-Generalsekretär Murat Durdu schildert im offenen Brief die Feindseligkeiten: Organisatoren spontaner Kundgebungen nach dem Putschversuch seien von der Polizei verhört worden, hätten Verwaltungsstrafen zahlen müssen.

Das Zugehörigkeitsgefühl zur Wahlheimat sei rapide gesunken, sagen die NBZ-Funktionäre. Menschen, die seit Jahrzehnten "Stütze der Industrie" seien, überlegten die Rückkehr – vorausgesetzt, sie bekämen ihre Pensionsbeiträge retour.

Adnan Dincer: "Ich weiß natürlich, dass das nicht 1:1 möglich ist. Man sollte aber Gesetze für eine Rückkehrhilfe schaffen." Dincer könnte sich 30.000 bis 35.000 Euro pro Familie vorstellen. "Damit kann man in der Türkei eine Wohnung kaufen."

In ihrem Brief behauptet die NBZ, die Gülen-Bewegung treibe "auch in Vorarlberg ihr Unwesen". Dincer führte auf die Frage, was er Gülen-Anhängern in Vorarlberg vorwerfe, an, diese sammelten "in Veranstaltungen Geld". Zudem würden sie in ihren Nachhilfeeinrichtungen nicht lernschwache Kinder betreuen, sondern begabte. "Denen geht es nur um die Elite."

Schwarz-Grün beschwichtigt

Landeshauptmann-Stellvertreter Karlheinz Rüdisser (VP) mahnt, "kühlen Kopf zu bewahren und zu einem vernünftigen Gesprächsklima zurückkehren". Ausgelöst wurde die Diskussion von Murat Durdu. Er soll den rechtsextremen Grauen Wölfen (MHP) nahestehen. Dincer dazu: "Türken in Österreich sind keine homogene Gruppe. Auch die NBZ nicht – zu uns gehören Liberale und Rechte."

Murat Durdu, "Aktivist im Umfeld der rechtsextremen Grauen Wölfe", bringe im offenen Brief seine Gefolgschaftstreue gegenüber dem türkischen Präsidenten zum Ausdruck, schreiben die Grünen in einer Aussendung. Klubobmann Adi Gross: "Ich bin davon überzeugt, dass ein großer Teil unserer türkischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger keineswegs diese Haltung vertritt." Er rufe zur "Abrüstung der Worte" auf. (Jutta Berger, 24.8.2016)

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