Landnutzung verdoppelt Kohlenstoffumsatz in Ökosystemen

28. August 2016, 11:49
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Fähigkeit, Kohlenstoff der Atmosphäre zu entziehen und langfristig zu speichern, geht mehr und mehr verloren

Klagenfurt – Um die weitere Entwicklungen des Klimawandels einigermaßen vorhersagen zu können, ist unter anderem mehr Wissen über den globalen Kohlenstoffkreislauf nötig. Bisher ist weitgehend unbekannt, wie lange Kohlenstoff in der Biomasse verbleibt, bevor er wieder in den Kreislauf, also in die Atmosphäre oder Böden, weitergegeben wird. Aktuelle Untersuchungen zeigen allerdings, dass der Mensch in dieser Gleichung einen entscheidenden Faktor bildet: Durch seinen Einfluss hat sich die Geschwindigkeit des Kohlenstoffumsatzes in der Vegetation verdoppelt.

"Eine der größten derzeitigen Unsicherheiten bei unserem Verständnis des Klimawandels betrifft die biomass turnover time, ein zentraler Ökosystemparameter, der bestimmt, wieviel Kohlenstoff der Atmosphäre durch die Ökosysteme entzogen wird und damit zentral für den Klimawandel ist", erläutert Karl-Heinz Erb von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Gemeinsam mit Kollegen hat er nun den Einfluss der Landnutzung des Menschen auf diese Umwandlungszeit untersucht. Dazu wurde die Veränderung des Kohlenstoffumsatzes durch einen Vergleich der aktuellen Vegetation mit einem Status, der hypothetisch jede Landnutzung ausschließt, errechnet.

Gefährliche Umwandlung von Wald zu Agrarflächen

Die Ergebnisse, aktuell vorgestellt im Fachjournal "Nature Geoscience", zeigen, dass der Kohlenstoffumsatz durch die Landnutzung doppelt so schnell abläuft. "Die Beschleunigung betrifft alle Biome und ungefähr in gleicher Weise, aber es gibt entscheidende Unterschiede zwischen den Landnutzungstypen", erklärt Erb. Die Umwandlung von Wald in Agrarflächen führt demnach zu massiven Beschleunigungseffekten. Auch die Nutzung von Wäldern und natürlichen Grasländern ist bedeutsam, wenn auch pro Flächeneinheit geringer. Weil deren Flächen global gesehen aber deutlich größer sind, ist in Summe der Umbruch von Wäldern zu landwirtschaftlichen Flächen für 59 Prozent, die Forstwirtschaft für 26 Prozent und die Nutzung der natürlichen Weideflächen für 15 Prozent der Beschleunigung verantwortlich.

"Insbesondere die Nutzung der Wälder und der natürlichen Grasländer ist in vielen Studien nicht berücksichtigt, und gerade hier ist die Datenlagen äußerst dürftig", so Erb weiter. "Die Studie zeigt, dass ein verbessertes Wissen um die Nutzung dieser Ökosysteme zentral ist, um beispielweise die Vorhersagemöglichkeiten von Klimaentwicklungen zu erhöhen."

Die Entwicklung könnte sich sogar noch verschlimmern: Sicher sei, dass der Bedarf an Biomasse derzeit massiv steigt, was zu einer weiteren Beschleunigung des Kohlenstoffkreislaufs führen könne. Damit könnte die Senkenfunktion der Ökosysteme, also ihre Fähigkeit, Kohlenstoff der Atmosphäre zu entziehen und langfristig zu speichern, mehr und mehr verloren gehen. Diese Ergebnisse würden, so die Forscher, deutlich zeigen, dass Biomasse als Ressource nicht klimawandelneutral sei. (red, 28.8.2016)

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