Adé, Vollbart: Der Oberlippenbart ist wieder da

25. August 2016, 06:00
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Weniger ist manchmal mehr – die männliche Gesichtsbehaarung nimmt sich daran ein Beispiel, auf Vollbart folgt der Schnauzer

Über seinen vollbärtigen Kollegen müssen keine Worte mehr verloren werden. Der verstellt seit einiger Zeit so ziemlich jedes Männergesicht. Es sind vor allem die Städter, die aussehen wollen wie die harten Kerle, die gerade vom Holzhacken kommen.

Jetzt aber regt sich oberhalb der Oberlippe Widerstand. Der verpönte Schnauzer will die stachelige Alleinherrschaft übernehmen. Wangen und Kinn, alles drum herum, soll jetzt wieder glatt daher kommen. Diese Wendung darf verwundern. Lange wurde der Oberlippenbart als Pornobalken verunglimpft, man assoziierte ihn mit dem legendären Oberlippen-Bewuchs des Pornodarstellers John Holmes. Für alle, die den schon wieder vergessen haben: Holmes Prachtstück besetzte selbstbewusst sein halbes Gesicht.

Angesichts des aktuellen Schnauzer-Revivals darf man die Ausmaße dieses Prachtbalkens gut und gern wieder vergessen. Es muss nicht immer gleich ein solcher Wichtigtuer-Bart sein wie jener von Ben Holmes oder Ben Cobb, jenem langhaarigen Redakteur des Modeblattes "Another Magazine".

Das beweisen derzeit einige Enddreißiger wie der US-Schauspieler Boyd Holbrook. Er reifte in der Netflix-Serie "Narcos" zum Oberlippenbart-Träger heran und testet seinen blonden Oberlippen-Flaum jetzt auch auf seine Alltagstauglichkeit.

foto: richard shotwell/ invision ap
Boyd Holbrook mit blondem Schnauzer.

Als James Franco, jener durchgeknallte amerikanische Tausendsassa, vor einigen Wochen in New York zur Premiere des Films "Sausage Party" erschien, stahl er den Würstchen an seiner Seite glatt die Show. Schuld daran war der Schnauzer, der es sich über seiner Lippe in der Horizontalen bequem gemacht hatte. Auch Franco scheint zu einem Überzeugungstäter heranzuwachsen. Einige Monate hat er bereits durchgehalten.

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Ein von James Franco (@jamesfrancotv) gepostetes Foto am

An das Durchhaltevermögen von Hans Jörg Schelling kommt er aber so schnell nicht heran. Der hält seinem grauen Schnauzer seit vier Jahrzehnten die Treue. Aus reiner Bequemlichkeit und weil das Rasieren so schneller von der Hand gehe, behauptete er einmal in einem Interview.

Neben dem Bart des virilen, braungebrannten Schnauzer-Idols Tom Selleck ist die Schelling-Bürste allerdings eine eher pragmatische Nummer. Auch das ziselierte Bärtchen eines Clark Gable, das einst wie eine feine Sichel über den Lippen des Frauenverführers lag, scheint weit entfernt.

Der küsste – und das nachweislich vor laufender Kamera – nicht nur Vivien Leigh. Und trat den Beweis an, dass vor dem Oberlippenbart nicht alle die Flucht ergreifen. Das kann nicht jeder Schnauzer von sich behaupten. (feld, 25.8.2016)

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