Syrische Stadt Hasaka fast ganz unter kurdischer Kontrolle

23. August 2016, 19:20
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Waffenstillstand zwischen Rebellen und Regierungstruppen – Türkei will Einnahme der Grenzstadt Dscharablus verhindern

Hasaka/Amman – Die kurdischen Rebellen bauen ihre Macht in Nordsyrien immer weiter aus. Im Kampf gegen Truppen von Regierungschef Baschar al-Assad brachten die von den USA unterstützten Aufständischen am Dienstag fast die gesamte Stadt Hasaka unter ihre Kontrolle. Die Gefechte, die eine Woche lang andauerten, wurden schließlich mit einem Waffenstillstand beendet. Die Türkei will verhindern, dass die Kurden ihre Macht an der Grenze ausbauen. Von ihr unterstützte Rebellen sollen deswegen die syrische Grenzstadt Dscharablus erobern, damit sie nicht in die Hände der Kurdenmiliz YPG fällt.

An der türkischen Grenze kontrolliert die YPG bereits einen 400 Kilometer langen Streifen vom Irak bis zum Fluss Euphrat sowie ein kleineres Gebiet im äußersten Nordwesten Syriens. Die Schlacht um Hasaka war der heftigste Kampf der Kurden mit Regierungstruppen, seit der Bürgerkrieg vor gut fünf Jahren begann. In der vergangenen Woche setzte die Armee erstmals die Luftwaffe gegen die Milizionäre ein. Nach den Kämpfen vom Dienstag kontrollierten Regierungsvertreter aber nur noch wenige Gebäude in der Stadt.

Der Waffenstillstand, der um 13.00 Uhr MESZ in Kraft trat, sieht nach kurdischen Angaben den Abzug der Regierungstruppen und verbündeter Milizen aus der Stadt vor. Dem staatlichen Fernsehen zufolge wurden auch ein Gefangenenaustausch sowie die Übergabe von verletzten oder getöteten Kämpfern und Soldaten vereinbart.

Kurdische Kämpfer hatten bereits in der vergangenen Woche bei der Einnahme der Stadt Manbidsch 250 Kilometer westlich von Hasaka eine entscheidende Rolle gespielt. Dort wurde die Extremistenmiliz Islamischer Staat zurückgedrängt. Die Türkei beobachtet Erfolge der YPG mit Argwohn, weil sie ein Erstarken der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im eigenen Land fürchtet. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte im türkischen Sender NTV, Nordsyrien dürfe nicht zum Machtbereich einer einzigen Gruppe werden.

Artillerie-Beschuss

Es wird deswegen erwartet, dass eine von der Türkei unterstützte syrische Rebellengruppe die Grenze nach Syrien überquert und gegen den IS in Dscharablus in die Offensive geht. Die türkische Armee hat dafür bereits mutmaßliche IS-Stellungen mit Artillerie beschossen. Nach einem Bericht des Senders CNN Türk wurden Einwohner in der türkischen Grenzstadt Karkamis aufgefordert, den Ort zu verlassen. Er war von zwei Granaten getroffen worden. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, man werde die Aktionen in Dscharablus mit allen Mitteln unterstützen. "Das ist für unsere eigene Sicherheit wichtig."

Unterdessen geht die Diskussion über eine friedliche Lösung für Syrien weiter. Der türkische Vizeregierungschef Kurtulmus sagte, es sei selbstverständlich, dass Assads Regime am Verhandlungstisch sitze. Die Türkei gehörte lange zu den wichtigsten Kritikern der Regierung in Damaskus und hat wiederholt gefordert, Assad müsse abtreten. (Reuters, 23.8.2016)

  • Kurdische Milizen in Hassaka.
    foto: reuters/rodi said

    Kurdische Milizen in Hassaka.

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