In fünf Jahren soll jeder Zweite in einer Pensionskasse sein

23. August 2016, 13:58
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Der Pensionskassen-Fachverband will den Sozialpartnern die Verankerung von Firmenpensionen in Kollektivverträgen schmackhaft machen

Wien – Binnen fünf Jahren soll jeder zweite österreichische Arbeitnehmer über eine Pensionskassen-Vorsorgelösung verfügen. Bis dahin soll der Anteil der Firmenpensionsberechtigten von 23 auf bis zu 50 Prozent steigen, sagte Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky am Dienstag. Dazu sollen Firmenpensionen vermehrt in Kollektivverträgen verankert werden. Derzeit haben 69 von 859 Kollektivverträgen entsprechende Regelungen.

Auf das KV-Thema lege man im Hinblick auf die Herbstlohnabschlüsse der Sozialpartner großes Augenmerk, man werde das Modell bei ÖGB, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer vorstellen, kündigt Zakostelsky an. Seit vergangenem Jahr, als der Pensionskassen-Fachverband erstmals dafür warb, habe sich einiges getan – mittlerweile habe rund ein Zehntel der Kollektivverträge eine solche Regelung. Das betrifft etwa Papierindustrie, Banken, Bundesforste, Telekom, Fluglinien, Versicherungen, Bundesbedienstete, Bundesbahnen, ORF, Universitäten und Eisenbahnunternehmen.

Steuerliche Möglichkeiten

Arbeitgebern und Arbeitnehmern seien die steuerlichen Möglichkeiten offenbar zu wenig bewusst, sagt Zakostelsky. Von einer Gehaltserhöhung um 100 Euro, die ein Dienstgeber zahle, bekomme der Beschäftigte netto nur 70 Euro, während die Firma samt Nebenkosten 135 Euro zu berappen habe. Dagegen erhalte der Dienstnehmer beim Pensionskassenmodell die 100 Euro brutto für netto, da weder Lohnsteuer noch Sozialversicherungsabgaben anfallen, und die Kosten für die Firma lägen wegen der reduzierten Steuerbasis bei nur 75 Euro. Auch diese Rechnung wolle man jetzt in den KV-Verhandlungen "transparent machen".

Zur besseren Ausnutzung der mit zehn Prozent limitierten steuerlichen Absetzbarkeit der Arbeitgeberbeiträge in eine Pensionskasse sollte diese Begrenzung für beide Seiten zusammen, also auch für Dienstnehmer gelten. Sprich: Jenen Anteil, den ein Unternehmen nicht voll ausschöpft, sollte der Arbeitnehmer nutzen können, bis der Zehn-Prozent-Rahmen erreicht ist. Damit könnten Dienstnehmer mit zusätzlichen Eigenbeiträgen zur Pensionskasse ihre Firmenpension erhöhen, lautet das Argument.

Neu für KV-Lösungen vorsehen sollte man zudem eine Kombination mit Opting-out-Modellen, also einer Entgeltumwandlung. Falls ein Beschäftigter nämlich eine Lohnerhöhung nicht bar auf die Hand wolle, sondern sich für eine Pensionskasse entscheide, hätte er von 100 Euro, die ein Arbeitgeber zahlt, nicht netto 70 Euro mehr am Konto, sondern 100 Euro in der Pensionskasse, rechnete Zakostelsky vor. Wolle ein Arbeitnehmer das nicht, sollte er innerhalb einer bestimmten Frist widersprechen können.

"Langzeitkonto"

Als Langfrist-Idee schwebt dem Fachverband ein "Langzeitkonto" für Arbeitnehmer vor, das diesen während des Berufs eine flexiblere Lebensgestaltung und obendrein den Aufbau einer Altersvorsorge ermöglichen könnte. Auf einem Konto sollten etwa Überstunden oder andere Entgeltbestandteile als Geldbetrag "angespart" werden können, aber falls nötig vor der Pension teilweise für die Pflege Angehöriger, eine längere Kinderbetreuung oder ein Sabbatical genutzt werden können. Möglich sein sollte auch die Übertragung in eine Pensionskasse. In Oberösterreich könnten sich etwa schon seit 2009 Lehrer dafür entscheiden, dass Mehrdienstleistungen ganz oder teils auf einem solchen Konto gutgeschrieben werden, sagt Zakostelsky. Administrieren sollten die Konten Pensions- oder Vorsorgekassen. Die Idee sei als Anstoß an die Sozialpartner gedacht und noch kein fertiges Modell.

Die langfristige Performance der Pensionskassen sei trotz der aktuellen Niedrigzinsphase intakt und viel besser als etwa auf einem Sparbuch oder bei Anleihen, so Zakostelsky. Auf Dreijahressicht liege sie bei 5,93 Prozent pro Jahr, für die letzten fünf Jahre im Schnitt bei 4,14 Prozent. Über 25 Jahre (seit 1991) seien im Schnitt 5,58 Prozent pro Jahr erwirtschaftet worden. Im ersten Halbjahr 2016 habe die Brexit-Abstimmung kurz vor Ende Juni das Veranlagungsergebnis bei niedrigen 0,22 Prozent gehalten. Doch aufgrund der Entwicklung im Juli und August "sind wir zuversichtlich, dass wir mit Jahresende 2016 ein respektables Ergebnis erreichen".

Systematische Umverteilung

Die "EZB-Null- oder Niedrigzinspolitik" kritisiert Zakostelsky als "an der Grenze einer gewissen Verantwortungslosigkeit", denn sie verhinderte etwa, dass eine breite Schicht, nämlich die Mittelschicht, mit einem Zinseffekt vernünftig vorsorgen könne: "Das ist eine systematische Umverteilung – um nicht zu sagen systematische Enteignung." Die EZB setze Schritte, die sie selbst noch vor einigen Jahren abgelehnt habe, etwa durch den Erwerb von Staatsanleihen und nun auch Corporate Bonds. Damit halte sie den Preis bestimmter Waren bei null – dennoch brächten die Maßnahmen nur teilweise die gewünschten Effekte.

Ende 2015 hatten 883.219 Österreicher Anspruch auf eine Firmenpension. Davon waren 793.598 Anwartschaftsberechtigte, 89.621 bezogen schon eine Zusatzpension. Mit 614 Millionen Euro Auszahlungen waren die Pensionskassen der größte private Pensionszahler im Land, im Schnitt lag eine Pensionskassenpension bei 489 Euro im Monat. Ende 2015 hatten die Kassen 20,2 Milliarden Euro Vermögen veranlagt. (APA, 23.8.2016)

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    grafik: apa
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