Ryan Lochte: Ein fescher Schwimmkampl, ziemlich Banane

23. August 2016, 13:51
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Manchmal, wenn gerade nicht etwas völlig Unsinniges in seinem Kopf aufpoppt – "Das können die verrücktesten Dinge sein. Eine hüpfende Banane zum Beispiel" -, gewährt Ryan Lochte auch ehrlich Einblicke. "Ich war immer gut darin, Dinge von einem Ohr zum anderen durchzulassen" , sagte der Starschwimmer einmal, nach seiner größten Stärke gefragt.

Diese kommt dem 32-jährigen Scheiß-mir-nix aus Rochester, New York, jetzt zupass, da ihn etwa die New York Post, im Bild halbnackt und mit aufreizendem Lächeln, als "hässlichen Amerikaner" präsentiert, der alles verkörpere, "was die Welt an Amerika hasst" – als Donald Trump mit wasserstoffblond gefärbtem Kurzhaar und Sixpack quasi.

Das liegt natürlich nicht allein daran, dass der sechsmalige Olympiasieger zusammen mit drei Kollegen durch die Nacht von Rio zog, wohl unter Alkoholeinfluss ein wenig randalierte, mit Sicherheitskräften in Konflikt geriet und dann zur Ablenkung eine frei erfundene Geschichte über als Polizisten verkleidete Gangster erzählte, die auf Raub aus gewesen seien.

Lochte, dessen Eltern als Schwimmtrainer in Florida wirken, wo für den Bub, der lieber Basketball gespielt hätte, auch talenthalber kein Weg am Pool vorbeiführte, gilt je nach Sympathie als Sonnyboy und fescher Kampl oder als einfach strukturierter Schönling mit Hang zu Machosprüchen und Lustigmachern.

Sportlich steht Lochte, der zwei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder hat, weit besser da. Neben einem Dutzend olympischer Medaillen – sechs davon aus Gold – schwamm der 1,88 Meter große und 80 Kilogramm schwere Athlet noch 66 WM-Medaillen zusammen, davon 18 Goldene auf Langbahnen. Als Rücken- und Lagenspezialist duellierte er sich oft auch mit Österreichs Starschwimmer Markus Rogan – meist mit besserem Ende -, vor allem aber stets mit Michael Phelps, der ihm den Weg zum erfolgreichsten Schwimmer aller bisherigen Zeiten versperrte.

Möglich, dass Lochte mit mehr Disziplin auch Phelps, The Baltimore Bullet, überflügeln hätte können. Dafür hatte er es gewiss lustiger als der nach Alkoholproblemen geläuterte und daher in den USA wieder wohlgelittene Jungvater. "Ryan Lochte zu sein, das bedeutet für mich Spaß", sagte Ryan Lochte. Außer, die Banane poppt wieder auf. "Und diese verdammte, hüpfende Banane ist in meinem Kopf. Ich weiß nicht, was da los ist." (Sigi Lützow, 23.8.2016)

  • Ein Mann mit Fantasie: Ryan Lochte.
    foto: apa/afp/bureau

    Ein Mann mit Fantasie: Ryan Lochte.

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