Schweizer TV-Sender wollen Überspulen von Werbung beschränken

23. August 2016, 14:42
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Fernsehstationen fordern von den Kabelbetreibern mehr Geld und rechnen 2017 mit einem Ertragsausfall von über 110 Millionen Euro

Der Vormarsch von zeitversetztem Fernsehen macht den Schweizer TV-Sendern zu schaffen. Sie fordern eine Beschränkung des Überspulens von Werbung, weil ihnen dadurch Erlöse in der Höhe von 127 Millionen Franken oder 112 Millionen Euro entgingen. Diese Zahl nennt die Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) für das Jahr 2017.

In der Deutsch- und Westschweiz werde beim sogenannten Catch Up TV, also zeitversetztem Fernsehen, 59 Prozent weniger Werbung gesehen als im Live TV, beklagen die Fernsehsender am Montag laut der Schweizer Presseagentur sda. "Durch das Überspulen der Werbung wird Werbeumsatz vernichtet", heißt es. 2014 habe der Ertragsausfall der Werbung 45 Millionen Franken (41 Mio. Euro) betragen und 2015 sogar 67 Millionen Franken (61 Mio. Euro). Ein weiterer Anstieg wird befürchtet.

Laut IRF schauen sich bereits 20 Prozent der 15- bis 59-jährigen Zuschauer die Sendungen zeitversetzt an. Noch vor drei Jahren lag der Wert bei 8 Prozent.

Fernsehstationen wollen mehr Geld

Die TV-Sender beklagen nun, dass sie für das Überspulen von Werbung zu wenig Geld bekommen. Kabelanbieter hätten ihnen im Jahr 2015 nur 5,4 Millionen Franken für das Speichern ihres Programms gezahlt, was in keiner Relation zum Verdienstentgang stehe.

Die Schweiz sei das einzige Land, wo es möglich sei, das ganze Programm aller Fernsehsender zu einem regulierten Preis zu kaufen.

In Österreich sorgte erst kürzlich das neue Angebot von A1 für Unmut bei einigen TV-Sendern. Der Streamingdienst A1 Now hat vor wenigen Wochen den regulären Betrieb mit 40 Kanälen aufgenommen. Teil des Angebots ist ein Videorekorder, mit dem die Nutzer das gesamte TV-Programm der vergangenen sieben Tage nachholen und einige Stunden davon aufzeichnen können. Österreichs Privatsender prüfen rechtliche Schritte dagegen, weil sie eine Kollision mit dem Urheberrecht sehen. (red, 23.8.2016)

  • Für die Schweizer Fernsehstationen wird zu wenig TV-Werbung gesehen. Sie fordern mehr Geld.
    foto: brau union

    Für die Schweizer Fernsehstationen wird zu wenig TV-Werbung gesehen. Sie fordern mehr Geld.

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