Freispruch in Prozess um sexuellen Missbrauch einer Achtjährigen

23. August 2016, 13:57
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Urteil des Landesgerichts Korneuburg für 61-Jährigen rechtskräftig

Korneuburg – Ein 61-jähriger Niederösterreicher ist am Dienstag am Landesgericht Korneuburg im Zweifel vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen freigesprochen worden. Laut Anklage soll er sich im Herbst 2014 und Sommer 2015 mehrmals an der damals acht- bis neunjährigen Tochter von Verwandten seiner Frau vergriffen haben.

Objektive Beweise gebe es nicht, erläuterte Richter Helmut Neumar zur Entscheidung des Schöffensenats. Die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel, das Urteil ist rechtskräftig.

Staatsanwältin: Opfer glaubwürdig

Zuvor hatte Staatsanwältin Gudrun Bischof das enge Verhältnis der Familien beschrieben. Das in Wien wohnende Mädchen habe jedes zweite Wochenende beim Angeklagten und seiner Frau übernachtet und die halben Sommerferien dort verbracht. Einmal soll es bei einem "Spiel" in der Badewanne zu Berührungen gekommen sein, ein anderes Mal soll der Mann die Pyjamahose des Kindes heruntergezogen haben und mit den Fingern eingedrungen sein.

Das Opfer habe bei den Befragungen im Jänner und Februar glaubwürdig geschildert, was der "Onkel" gemacht habe, meinte die Staatsanwältin. Der Fall flog im November auf, nachdem die Neunjährige die Vorfälle zunächst einer Freundin und die wiederum ihrer Mutter erzählt hatte.

Kinderzimmer für Mädchen eingerichtet

Sein Mandant, der mit seiner Frau keine Kinder hat, habe für das Mädchen sogar ein Kinderzimmer eingerichtet, sagte der Verteidiger. Er stellte in den Raum, warum denn, wenn die Vorwürfe wahr wären, etwa bei gemeinsamen Ausflügen niemandem irgendetwas aufgefallen war.

Das Mädchen sei für den Beschuldigten "wie sein eigenes Enkelkind" gewesen: "Sie war so gern bei uns, wir haben uns mit ihr beschäftigt, Ausflüge gemacht", erzählte der Mann und bestritt jeglichen Missbrauchsversuch. Er schloss auch aus, das Kind etwa beim Kitzeln im Geschlechtsbereich erwischt zu haben. Seine Frau habe zu ihm gehalten, als für ihn eine Welt zusammengebrochen sei. Die Anschuldigungen könne er sich nicht erklären: "Ich bin mit keinem bös."

Richter Neumar zitierte aus Aussagen der Ehefrau, wonach deren Neffe und dessen Frau immer wieder Geld für Schulsachen oder Geschenke "brauchten", sich aber auch 5.000 Euro für eine neue Küche borgen wollten. Andernfalls würde der Onkel quasi als Kinderschänder angeprangert werden. Seine Frau habe ihm davon erzählt, bestätigte der Angeklagte. "Und da haben Sie keine Wut gehabt?", wunderte sich der Richter. Der Vater des Mädchens könne als Hilfsarbeiter finanziell keine großen Sprünge machen, erklärte der Beschuldigte seine damalige Unterstützung.

"War immer da für uns"

Auch wenn der Kontakt nach der Anzeige abriss, brach nun die Kindesmutter im Zeugenstand eine Lanze für den Angeklagten: "Er war immer da für uns", das Verhältnis sei sehr gut gewesen. An ihrer Tochter, die sie als fantasievoll beschrieb, hatte sie keinerlei Auffälligkeiten bemerkt, kein geändertes Verhalten gegenüber Männern, nichts. Ihr Mann räumte ein, sich ab und zu Geld geborgt zu haben, gefordert habe er aber nichts. Er betonte, dass er dem Angeklagten gar nichts vorwerfe.

Ehefrau verteidigt Mann

"Wenn ich nur den kleinsten Verdacht hätte, wäre ich nicht mehr bei meinem Mann", erklärte die Ehefrau des Beschuldigten. Für sie war es undenkbar, dass die Vorwürfe stimmen. "Mein Neffe war wie ein Sohn für mich", das Mädchen "unser Sonnenschein", schluchzte sie. "Warum sagt ein liebes, aufgewecktes, gescheites Kind mit acht Jahren dann solche Sachen?", versuchte der Richter zu ergründen.

Ein Zeuge hatte mit dem Mädchen nach seinem Sexualunterricht an der Volksschule gesprochen, weil es spontan Erlebtes geschildert habe. Die Mutter einer Schulfreundin berichtete von der entsprechenden Erzählung ihrer Tochter.

Einem bekannten Paar fiel eigenen Angaben zufolge niemals etwas Negatives auf. Das Mädchen sei sehr aufgeweckt und mitteilungsbedürftig und wolle immer im Mittelpunkt stehen, sagte der Zeuge. Wenn irgendetwas gewesen wäre, hätte das Kind es sofort erzählt, meinte er.

Kontradiktorische Befragung des Mädchens

Während der Vorführung der kontradiktorischen Befragung des Mädchens wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Richter verlas dann unter anderem aus einer Aussage, dass es zu einem Vorfall gekommen sei, als die Tante in der Arbeit war.

Für die Staatsanwältin ergab das Beweisverfahren eindeutig, dass das Kind genau wisse, was es sagt. Sie sah keinen Grund, warum die Neunjährige die – immer gleichlautend erzählten – Vorwürfe "aus dem Nichts heraus" erfunden haben sollte. Der Verteidiger arbeitete in seinem Schlussplädoyer vor der Urteilsberatung Widersprüche heraus und plädierte auf Freispruch – dem der Schöffensenat dann auch folgte. (APA, red, 23.8.2016)

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