Blick in das musikalische Gehirn des Sängers Sting

22. August 2016, 17:28
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Forscher kartierten Aktivität von Hirnarealen, während der Musiker verschiedene Songs hörte – er erkannte Gemeinsamkeiten, die Durchschnittshörern entgehen

Montreal – Forscher der McGill Universität in Montreal (Kanada) durften einen Blick in das Gehirn des Ex-"Police"-Sängers Sting werfen. Dabei stellten sie fest, dass sein Hirn offenbar Gemeinsamkeiten zwischen Songs erkennt, die dem Durchschnittshörer entgehen.

Kurz vor einem Auftritt in Montreal machte der Sänger Sting einen Zwischenstopp im Labor des Hirnforschers Daniel Levitin von der McGill Universität. Dessen Bestseller "This is your brain on music" hatte seine Neugier geweckt. Der Forscher nutzte die Gelegenheit des Besuchs und bat, das Gehirn des Musikers scannen zu dürfen.

Mithilfe neu entwickelter Analysemethoden kartierten Levitin und sein Kollege Scott Grafton von der University of California in Santa Barbara, welche Hirnareal aktiviert wurden, während Sting verschiedene Songs hörte. Die Methoden und die damit gewonnenen Ergebnisse der Fallstudie an Stings Gehirn stellten die Forscher kürzlich im Fachblatt "Neurocase" vor.

Ähnliche Aktivitätsmuster

Im Kern der Methoden stünde die Möglichkeit zu testen, ob sich die Aktivitätsmuster im Gehirn bei ähnlichen Musikstilen mehr gleichen als bei verschiedenen Stilen, erklärte Grafton in einem Artikel der McGill Universität auf der Website Futurity.org.

Dabei stellte Stings Gehirn Ähnlichkeiten zwischen Songs fest, die selbst Hörern mit einer gewissen musikalischen Expertise nicht unbedingt auffallen: "Stings Hirnscan zeigte uns mehrere Zusammenhänge zwischen Musikstücken, die ich gut kenne, aber nie als verwandt betrachtet habe", sagte Levitin, der selbst auch als Musiker und Musikproduzent gearbeitet hat.

Beatles und Piazzolla

Als Beispiel nennt der Artikel den Beatles-Song "Girl" und Astor Piazzolla's Tangonummer "Libertango", die im Hirnscan die größte Überlappung an Aktivität zeigten. Beide Stücke sind in Moll-Tonarten gehalten und enthalten ähnliche melodische Motive. Ein weiteres Beispiel sei Stings eigener Song "Moon over Bourbon Street" und das Stück "Green Onions" von Booker T. and the M.G.'s.: Beide sind in F-Moll, haben das gleiche Tempo und einen Swing-Rhythmus.

Die Methoden, die in dem Fachartikel vorgestellt wurden, ließen sich nicht nur auf musikalische Expertise anwenden, so Levitin. Auch wie Athleten ihre Bewegungen, Buchautoren ihre Charaktere oder Malerinnen Farbe, Form und Raum in ihrem Gehirn organisieren, ließe sich damit studieren.

Mit der Fallstudie an Stings Gehirn ergeben sich Einblicke, wie das Gehirn eines professionellen Musikers Musik organisiert. "Das ist von Bedeutung, weil im Kern großer Musikalität die Fähigkeit liegt, die Repräsentation von Klanglandschaften im Geiste nach Belieben zu manipulieren", erklärte Levitin. (APA, 22.8.2016)

  • Der Musiker Sting.
    foto: ap

    Der Musiker Sting.

  • mmtfb

    "Girl" von den Beatles und ...

  • nasuisaidel

    ... "Libertango" von Astor Piazzolla führten zu ähnlicher Aktivität im Gehirn.

  • kirtww

    Für "Moon over Bourbon Street" von Sting selbst und ...

  • dutchmanmm

    ... "Green Onions" von Booker T. and the M.G.'s gilt dasselbe.

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