Amerikanische Panda-Propaganda: "Happy Birthday, Bei Bei"

22. August 2016, 15:16
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Zwei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hangzhou möchte China die jüngsten Spannungen vergessen machen und setzt dabei auf Pandas

Die Geburtstagswünsche kamen online aus dem fernen China. Absenderin des Schreibens an den Zoo von Washington war Peng Liyuan, Frau von Präsident Xi Jinping. "Ich schicke Grüße aus dem Heimatland der Pandas", zitierte die staatliche Agentur Xinhua. Die Geburt von Bei Bei ("Schätzchen") vor einem Jahr sei "Frucht der Kooperation zwischen China und den USA und starkes Symbol unserer Freundschaft".

Chinas First Lady erinnerte an den USA-Staatsbesuch ihres Mannes im September 2015. Da sprach Xi vom Wunsch nach neuartigen Beziehungen zwischen den Großmächten. Beide First Ladys gaben dem neugeborenen Bären den Namen Bei Bei. Michelle Obama twitterte: "Happy Birthday, Bei Bei!" – ein Art Beschwörung.

Denn zwei Wochen vor Beginn des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou am 4. und 5. September sind sich die USA und China nicht mehr grün. Sie haben im vergangenen Jahr kaum ein Reizthema ausgelassen. Die USA sorgen sich wegen Pekings Streit mit Anrainerländern über territoriale Ansprüche im Südchinesischen Meer, wirtschaftlich wegen seines Reformstaus und des Umgangs mit Menschenrechten.

Trump schlägt aufs Gemüt

China fühlt sich vom Eingreifen der USA im Südchinesischen Meer und von der Aufstellung der gegen Nordkorea gerichteten US-Thaad-Abwehrraketen in Südkorea bedroht. Dazu belastet das China-Bashing im US-Präsidentschaftswahlkampf die Atmosphäre. Donald Trump bezeichnet China unter anderem des Öfteren als "Währungsmanipulator". Barack Obama kann nicht mehr allein den Ton angeben.

Panda-Diplomatie, als Teil chinesischer Soft Power, ist also wieder einmal gefragt. Gastgeber Peking will auf dem G20-Gipfel Mittel zur Belebung von Weltwirtschaft und Handel finden. Dazu braucht es die USA.

Die aufwendig arrangierte Feier mit Eistorte für Bei Bei nannte die New York Times die "erste Panda-Geburtstagsparty mit geopolitischen Implikationen". Auch Chinas US-Botschafter Cui Tiankai war dabei. Er sagte, dass Peking mit den USA schon im Gespräch sei, das Streitthema Südchinesisches Meer aus der Tagesordnung des G20-Gipfels herauszuhalten.

"Zwei Geschenke"

Die Bären brachen schon früher das Eis in den USA. Nach dem historischen China-Besuch von Richard Nixon 1972 schwärmte dessen Frau Pat vor dem damaligen Premier Zhou Enlai von Chinas Pandas. "Madame, ich habe zwei Geschenke für Sie", sagte Zhou zum Abschied. Bald darauf erhielt der Washingtoner Zoo ein Pandapaar: Lingling und Xingxing.

Seither spricht alle Welt von Panda-Diplomatie. Bis 1982 vergab Peking 23 Pandas an acht Länder als Staatsgeschenke. Danach führte es ein Entleihmodell ein, wie es auch der Wiener Zoo nutzt. Bären dürfen nur im Paar für eine Pachtzeit von zehn Jahren geleast werden. Peking besteht auf Rückführung des Nachwuchses.

Vom Aussterben ist dabei längst keine Rede mehr, anders als in den 1980er-Jahren. Weltweit wurde Alarm geschlagen, als die Zahl wildlebender Pandas auf 1114 fiel. Nach dem jüngsten Pandazensus lebten 2015 wieder 1864 Pandas in freier Wildbahn, 422 in Zoos.

42 Leihpandas werden im Ausland gehalten, mehr als ein Drittel in den USA. Dabei dürfte Peking in Sachen Panda eigentlich nicht gut auf die USA zu sprechen sein: Zwei Söhne von US-Präsident Theodore Roosevelt, Theodore und Kermit, waren 1928 die ersten Großwildjäger, die einen Riesenpanda im Sichuaner Kreis Mianning schossen. (Johnny Erling aus Peking, 22.8.2016)

  • Bei Bei, Chinas Gabe an Washingtons Zoo, ist ein Jahr alt.
    foto: afp / olivier douliery

    Bei Bei, Chinas Gabe an Washingtons Zoo, ist ein Jahr alt.

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