Quatuor Ébène: Offenheit der Romantik

22. August 2016, 17:38
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Das Streichquartett gastiert am Dienstag bei den Salzburger Festspielen und am Mittwoch bei der Schubertiade Schwarzenberg

Salzburg – Das Phänomen der Boygroups kennt man eigentlich aus der Popbranche, meist hat der Begriff eher negative Konnotationen: Klischee, Kommerz, kein Tiefgang – singende Bubis sollen schließlich Markt und Sehnsüchte bedienen. Dass eines der angesagtesten Klassikensembles der Gegenwart ebenfalls gern als Boygroup bezeichnet wird, ist insofern nur in puncto Alter seiner Mitglieder halbwegs zutreffend.

Jetzt konzertiert das Streichquartett Quatuor Ébène zweimal in Österreich: Dienstag im Rahmen der Kammerkonzertreihe bei den Salzburger Festspielen, Mittwoch bei der Schubertiade Schwarzenberg im Bregenzerwald.

Gegründet wurde das Quatuor Ébène 1999, als sich vier Absolventen des südwestlich von Paris gelegenen Konservatoriums von Boulogne-Billancourt entschlossen, der Klassikszene neues Leben einzuhauchen. Pierre Colombet, Gabriel Le Magadure, Raphaël Merlin und Mathieu Herzog gewannen fünf Jahre später den ARD-Musikwettbewerb – und die Herzen der Klassikkenner. Inzwischen hat sich Herzog verabschiedet, um eine Dirigentenkarriere anzustreben, und seit Anfang 2015 nimmt Adrien Boisseau seinen Platz ein.

Das Ensemble unterscheidet sich von herkömmlichen Vertretern seiner Zunft: Das Quartett blickt über den Tellerrand der Klassik, denn die vier haben früher in Rock- und Jazzcombos musiziert, was bis heute in ihrem Repertoire – zumindest dem Zugabenteil sowie auf dem Album Fiction - Niederschlag findet: Pop, Jazz, Chansons, Latin und Filmsoundtracks, etwa aus Pulp Fiction oder Ocean's Eleven, zeigen die Offenheit des Quatuor.

Nun stehen Haydns C-Dur-Quartett op. 20 Nr. 2, Debussys g-Moll-Streichquartett op. 10 und Beethovens Es-Dur-Streichquartett op. 127 auf dem Programm: ein Abend ganz im Zeichen romantischer Sehnsucht und Begehrens.

Apropos süßer Vogel Jugend: Bei Boygroups herrscht ja immer Groupiealarm. Die seien aber bei ihnen, so Quatuor Ébène, keine Teenies mehr, sondern meist im achten und neunten Lebensjahrzehnt. (Gerhard Dorfi, 22.8.2016)

23. 8. Salzburg, Mozarteum / Großer Saal, 19.30

24. 8. Schwarzenberg, Kauffmann-Saal, 20.00

  • Kammermusik mit dem jungem Hand zu unklassischen Stilen – Quatuor Ébène.
    foto: julien mignot

    Kammermusik mit dem jungem Hand zu unklassischen Stilen – Quatuor Ébène.

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