"Hotel Rock 'n' Roll": Die Heimat gehört uns allen

22. August 2016, 17:30
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Zum Abschluss von Michael Glawoggers Trilogie über eine ewig studentische Loser-Truppe changiert seine neue Filmkomödie mit Michael Ostrowski zwischen Peter-Alexander-Klamotte und Krimigroteske

Wien – Keine ganz üble Idee, so eine Pauschalreise, die sinnfreie Arbeit überwinden hilft. Max (Michael Ostrowski) schmückt seine Vision für den Bankbeamten nicht nur mit kapitalismuskritischen Allgemeinplätzen aus, er verweist auch auf die befreiende Wirkung von "Love Chamber" und Drogenkonsum. Die Kamera bewegt sich fast unmerklich auf ihn zu, was seinen Worten ein besonderes Mantra verleiht. Den dringend nötigen Kredit gibt's am Ende trotzdem nicht. Illegales darf die Bank offiziell nicht finanzieren.

Nach Nacktschnecken (2004) und Contact High (2009) kehrt die ewigstudentische Loser-Truppe um Max, Mao (Pia Hierzegger), Schorschi (Georg Friedrich) und Jerry (Gerald Votava, der Raimund Wallisch ersetzt) mit einem Einfall ins Kino zurück, der wieder einmal aus einem Hobby ein Einkommen fertigen soll – oder umgekehrt. Die Grundlage von Hotel Rock 'n' Roll ist eine Immobilie in der steirischen Provinz. Ein nicht ganz glücklich auf Michael Glawogger getrimmter Willy Resetarits vererbt sie in Szene eins an Mao. Ehrensache, dass man annimmt und das Hotel in seinem Geiste erhalten will.

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Das gilt auch insgesamt für den Film, denn das Drehbuch hat Ostrowski (auch Co-Regie mit Helmut Köpping) noch mit dem 2014 in Liberia gestorbenen Glawogger gemeinsam verfasst. Auf die Pornogroteske Nacktschnecken und das Drogen-Roadmovie Contact High folgt Hotel Rock 'n' Roll nun als Schlussstück, das sich wie ein Heimatfilm ausnimmt, in dem die Bande endlich sesshaft wird. Allerdings nicht im restaurativen Sinn des überholten Genres, sondern mit einer Geste der Beharrlichkeit: Die tiefe Provinz darf man nicht verstockten Traditionalisten überlassen. Also wird Rock 'n' Roll als (Über-)Lebensprinzip gefeiert, auch wenn er sich mehr wie Dub-Punk anhört. Das fügt sich sehr gut in dieses verpatzte Wahljahr.

Egal was, aber Vollgas

Hotel Rock 'n' Roll fehlt zwar Glawoggers visuelle Extravaganz, dafür sind die Figuren immer noch mit demselben Überschuss dabei, ihre halb durchdachten Vorstellungen zu verwirklichen. Eine Band muss her, auch wenn mit Futschikato Masalani nur eine einzige Nummer zur Verfügung steht. Nebenbei will auch noch ein Kriminalfall gelöst werden, wobei der dämliche Inspektor (Johannes Zeiler) die entscheidenden Hinweise in der Regel übersieht. Der Ablenkungen gibt es auch für ihn einfach zu viel.

Zwischen einer Verwechslungskomödie, die im Fundus einer Peter-Alexander-Klamotte wühlt, einer Krimigroteske und einer (hübsch ausgestatteten) Hotelzimmer-Posse findet Hotel Rock 'n' Roll nicht zwingend den richtigen Rhythmus. Die Montage wirkt an manchen Stellen orientierungslos. Andererseits passt das Durcheinander ja auch wieder zum Do-it-yourself-Motto des Unterfangens. Die Dialoge verfehlen einander in den besten Momenten nach dem Stille-Post-Prinzip. So sitzen die Pointen an den überraschendsten Stellen. Der Erlebnisurlaub hat erst seinen Zweck erfüllt, wenn jede Wuchtel ausgesprochen ist. (Dominik Kamalzadeh, 22.8.2016)

Ab Freitag

  • Das Immobilienerbe in der steirischen Provinz will mehr oder weniger stilsicher verwaltet werden:  In "Hotel Rock 'n' Roll" wissen Michael Ostrowski (re., auch Co-Regie) und Gerald Votava, wie das geht.
    foto: toni muhr / dor film

    Das Immobilienerbe in der steirischen Provinz will mehr oder weniger stilsicher verwaltet werden: In "Hotel Rock 'n' Roll" wissen Michael Ostrowski (re., auch Co-Regie) und Gerald Votava, wie das geht.

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