Verminderte Ansteckung: Kranke Mäuse meiden ihre Artgenossen

22. August 2016, 13:18
5 Postings

Schweizer Forscher untersuchten das Sozialverhalten von Mäusegruppen im Krankheitsfall

Zürich – Eine kranke Maus wird nicht von der Gruppe gemieden, sondern isoliert sich laut einer aktuellen Studie selbst. Verhaltensänderungen dieser Art zu berücksichtigen könnte helfen, die Ausbreitung von Epidemien auch beim Mensch genauer vorherzusagen, berichten Wissenschafter der ETH und der Universität Zürich im Fachblatt "Scientific Reports".

Mäuse können erkennen, wenn eine andere Maus krank ist. Überraschenderweise verhalten sie sich dem betroffenen Artgenossen gegenüber jedoch nicht anders als vor der Erkrankung: Es ist die kranke Maus, die sich von der Gruppe trennt und zurückzieht, wie Forscher zeigten.

Einseitige Verhaltensänderung

Dass kranke Tiere meist weniger aktiv sind und weniger fressen als gesunde, ist bekannt und kaum überraschend. Frühere Studien hatten allerdings nicht untersucht, wie sich das veränderte Verhalten auf soziale Kontakte innerhalb einer Gruppe auswirkt.

Das Forschertram um Patricia Lopes verfolgte die Bewegungen und sozialen Kontakte von Mäusen in einer Gruppe, nachdem sie bei einzelnen Mäusen mittels bakterieller Moleküle unspezifische Krankheitssymptome ausgelöst hatten. Die Analyse der aufgezeichneten Daten zeigte, dass sich die kranken Mäuse vermehrt von ihrer sozialen Gruppe entfernten. Die Gruppe verhielt sich ihnen gegenüber aber ähnlich wie vor der Infektion.

Schutzmechanismus

Vermutlich helfe die Verhaltensänderung der kranken Maus, die Verwandten ihrer Gruppe vor einer Ansteckung zu schützen, sagte Lopes laut der Mitteilung. Tatsächlich konnten die Forscher mithilfe mathematischer Modelle zeigen, dass die Selbstisolation der kranken Mäuse die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Krankheitsausbreitung stark reduziert.

Die Studie helfe dabei, die Ausbreitung von Krankheiten besser zu verstehen und vorherzusagen – auch beim Menschen in Bezug auf Krankheiten wie Grippe oder Ebola, die durch soziale Kontakte übertragen werden, schreiben die Forscher in einer Aussendung. Auch beim Menschen dürften Verhaltensänderungen einen großen Effekt auf die Ausbreitung von Infektionen haben. (APA, red, 22. 8. 2016)

Share if you care.