Studie: Österreich hat großen Nachholbedarf bei schnellem Breitband

22. August 2016, 12:38
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Liegt bei Digitalisierung zurück – geringerqualifizierte Jobs durch Automatisierung gefährdet

Seit 1881 in Wien die ersten Telefonanlagen in Betrieb genommen wurde, hat sich die Kommunikationsinfrastruktur enorm verändert. Vor allem die Digitalisierung der vergangenen Jahre hat einen tiefen Strukturwandel in allen Bereichen von Arbeits- und Privatleben mit sich gebracht. Sie gilt als wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum. Österreich hinkt bei der Digitalisierung allerdings hinterher, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) im Auftrag von A1 zeigt.

Wenig schnelle Breitbandanschlüsse

Die Studienautoren berufen sich dabei unter anderem auf den Digital Economy and Society Index 2016 (Desi). Länder mit hohem Einkommen weisen demnach generell auch eine höhere Digitalisierungsrate auf. Österreich liegt gemessen am BIP-Pro-Kopf-Einkommen jedoch zurück. Auffallend sei vor allem der geringe Anteil an schnellem Breitband über 30 Mbit/s. Im Vergleich von 29 EU-Ländern liegt Österreich nur auf Platz 20. Dadurch ergäben sich etwa niedrige Nutzungsraten für datenintensive Dienste wie Video-on-Demand. Die LTE-Versorgung will A1 bis Ende 2016 zum Großteil abgeschlossen haben. Bis 2019 will man 70 Prozent der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen für 100 Mbit/s erreichen.

Für A1 lautet die Schlussfolgerung aus der Studie, dass die Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur erhöht werden müssen. Selber steckt das Unternehmen 500 Millionen Euro in den Breitbandausbau. CEO Margarete Schramböck kritisiert, dass das mehr sei als bei den anderen Telekomunternehmen. Sie fordert von der Branche, ebenfalls die Investitionen zu erhöhen. Im internationalen Vergleich liegt Österreich bei Investitionen in der Telekombranche zurück.

Die Breitband-Milliarde des Infrastrukturministeriums, die sich derzeit in der Ausschreibungsphase befindet, könnte laut der Studie zusätzlich bis zu 1,2 Milliarden Euro an verbundener Wertschöpfung bringen und 14.700 Beschäftigte auslasten. Der Anstieg des Beschäftigungsanteils IKT-intensiver Sektoren um 1 Prozentpunkt ergebe ein zusätzliches regionales Beschäftigungswachstum von 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte.

Kritik an Regulierung

Ein Hindernis beim Ausbau sieht Schramböck in der Regulierung der Telekombranche. Eine zu starke Regulierung würde Investitionen verzögern. Sie kritisiert gleichzeitig, dass sogenannte Over-the-Top-Anbieter, also Service-Anbieter ohne eigene Infrastruktur, davon ausgenommen sind. "Weniger Regulierung könnte Investitionslücken in Europa schließen", sagt die A1-Chefin auch in Hinblick auf Netzneutralität.

In einem Manifest hatten mehrere große europäische Telekomkonzerne festgehalten, dass der Ausbau von 5G-Netzen nur ohne Netzneutralität möglich sei. Kritiker sehen darin eine Erpressung. Die Richtlinien zur Netzneutralität müssten gewährleisten, dass alle Daten gleich behandelt werden und Unternehmen keinen Aufschlag beispielsweise für schnellere Unterhaltungsangebote verlangen dürfen.

Arbeitsinhalte verändern sich

Bezüglich der Veränderungen am Arbeitsmarkt hatte die OECD vor kurzem eine beunruhigende Meldung. In Österreich und Deutschland könnten in Folge von Automatisierung zwölf Prozent der Arbeitsplätze ersetzt werden. Betroffen seien vor allem Personen mit geringerer beruflicher Qualifikation.

Bestehende Berufe würden nicht obsolet, es würden sich jedoch die Arbeitsinhalte ändern –von manuellen Routinetätigkeiten etwa die von Hilfskräften hin zu Jobs mit mehr analytischen und interaktiven Tätigkeiten, so Wifo-Studienautor Michael Peneder. Das bedeutet, dass die Anforderungen an Qualifikation und Kompetenz der Arbeitnehmer steigt. Bei geringer qualifizierten Arbeitskräften sei "in Folge ein weiterer Rückgang der Beschäftigung zu erwarten", heißt es in der Studie.

Das Bildungssystem müsse auf diese Veränderungen reagieren. Hier und auch bei der Qualifizierung von Migranten ortet Wifo-Chef Karl Aiginger allerdings starke Versäumnisse. Man habe hier ein "Megaproblem" aufkommen lassen, da Migration nicht genutzt worden sei um das Wirtschaftswachstum anzutreiben. Arbeitsplätze mit mittlerer Qualifikation seien in Österreich laut Wifo-Studie hingegen nicht durch Automatisierung bedroht. (Birgit Riegler, 22.8.2016)

  • Österreich liegt bei der Digitalisierung im EU-Vergleich zurück.
    foto: apa/dpa/matthias balk

    Österreich liegt bei der Digitalisierung im EU-Vergleich zurück.

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