Schulweg üben, um Unfälle zu vermeiden

26. August 2016, 14:01
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Der Schulweg sollte zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten werden, meint die AUVA

Wien – Für zehntausende Kinder in Österreich steht das erste Schuljahr bevor und damit auch der tägliche Schulweg. Vielen Eltern stellt sich die Frage, wie ihre Kleinen am sichersten in die Schule kommen. Kinder müssen lernen, sich auch ohne Eltern sicher im Straßenverkehr zu bewegen, denn rund 20 Prozent aller Unfälle mit Kindern passieren auf dem Schulweg.

Im Auto wird Verhalten im Straßenverkehr nicht erlernt

Die AUVA empfiehlt, den Schulweg wenn möglich zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten. "Viele Eltern glauben, Kinder mit dem Auto in die Schule zu bringen ist die sicherste Variante", sagt Joachim Rauch, Präventionsexperte der AUVA. "Das stimmt allerdings nicht. Kinder können so das richtige Verhalten im Straßenverkehr nicht erlernen. Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen vor den Schulen steigt das Gefahrenpotenzial für alle Kinder. Damit ist der Transport mit dem Auto sogar kontraproduktiv."

So oft üben, bis alle Gefahrenquellen erkannt werden

Um die Kinder langsam auf den Schulstart vorzubereiten, sollte man bereits davor mit dem Schulwegtraining beginnen, meinen sowohl die AUVA als auch der ARBÖ. "Der Schulweg ist nicht an einem Tag erlernt. Es braucht rund sechs bis zehn Wiederholungen, bis alle Gefahrensituationen am Schulweg auch als solche erkannt werden", sagt ARBÖ-Verkehrspsychologin Dora Beer.

Außerdem sollte der Schulweg nicht nur mit Erstklässlerinnen und Erstklässlern geübt werden. Denn nachlassendes Gefahrenbewusstsein erhöht die Unfallgefahr. Zehn- bis Elfjährige sind daher am gefährdetsten.

Kinder nehmen den Verkehr anders wahr

Die Wahrnehmung von Kindern im Straßenverkehr sollte laut AUVA nicht überschätzt werden: Das kindliche Gehirn könne Sinneseindrücke noch nicht zur Gänze verarbeiten. Kinder seien "nicht in der Lage, mit mehreren Informationen gleichzeitig umzugehen – wie beispielsweise mit einem Freund sprechen und auf ein herannahendes Fahrzeug achten. Allein aufgrund ihrer Größe können Kinder auch den Verkehr nicht überblicken."

Schulwegpläne und Workshops

Der kürzeste Schulweg muss nicht automatisch der sicherste sein. Die AUVA stellt daher Schulwegpläne zur Verfügung, mit deren Hilfe Eltern und Kinder gemeinsam den sichersten Weg in die Schule festlegen können. Außerdem bietet sie Workshops für Eltern von Volksschulkindern sowie Pädagoginnen und Pädagogen an und setzt dabei auf Bewusstseinsbildung, auch in Bezug auf die Vorbildwirkung der Erwachsenen. Zudem wird auf die entwicklungspsychologischen Besonderheiten von Kindern eingegangen.

Tipps für das richtige Üben:

• Rechtzeitig vor Schulbeginn sollte die sicherste Route mit den wenigsten Straßenüberquerungen festgelegt (Sicherheit geht vor Kürze) und häufig an verschiedenen Tagen geübt werden.

• Kinder sollten lernen, vor dem Überqueren einer Straße zuerst nach links, dann nach rechts und dann abermals nach links zu blicken, um sich einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen.

• Gefahrenquellen wie abbiegende Fahrzeuge bei Ampeln sollten gemeinsam aufgespürt werden. Auch wenn die Ampel Grün zeigt, muss sich das Kind vergewissern, dass es die Straße gefahrlos überqueren kann.

• Den Kindern vorzeigen und auch im Alltag vorleben, wie man sich richtig auf der Straße verhält, ist wichtig – insbesondere beim Überqueren, bei Ampeln, auf dem Zebrastreifen und bei Ein- und Ausfahrten. Auch auf einem Zebrastreifen darf sich ein Kind nicht darauf verlassen, dass die herannahenden Autos anhalten.

• Eltern sollten den Kindern genau erklären, warum gewisse Verkehrssituationen gefährlich sind. Beobachtetes Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmerinnen und – teilnehmer thematisieren und die Kinder auf die möglichen Folgen aufmerksam machen.

• Eltern müssen auch das richtige Verhalten auf dem Gehsteig vorzeigen. So ist es sicherer, auf der Innenseite des Gehsteigs zu gehen. Musik hören oder auf dem Handy spielen lenken vom Verkehrsgeschehen ab.

• Benutzen Kinder auf ihrem Schulweg öffentliche Verkehrsmittel, ist es wichtig, den Umgang mit diesen zu üben. Kinder sollten nicht drängeln und immer genug Sicherheitsabstand zur Straße oder zum Gleiskörper halten.

• Ein Rollentausch zwischen Eltern und Kind ist sinnvoll, um den Übungsfortschritt des Kindes abzuprüfen. Eltern erkennen dabei, an welchen Punkten Kinder noch unsicher sind, und können auf diese konkret eingehen.

• Kinder lernen durch Verstärkung und Lob des richtigen Verhaltens. Drohungen und Schimpfen verunsichern nur.

• Alle erwachsenen Personen werden von Kindern kopiert – daher seien Sie immer Vorbild.

• Mit Kinderwarnwesten, reflektierenden Schnappbänder oder Anhängern kann die Sichtbarkeit der Kinder erhöht werden.

• Das Training sollte in den ersten Schulwochen fortgesetzt und auch mit Zweit- und Drittklässlern geübt werden. (red, 26.8.2016)

  • Bis alle Gefahrenquellen auf dem Weg erkannt werden, brauchen Kinder sechs bis zehn Wiederholungen.
    foto: apa/georg hochmuth

    Bis alle Gefahrenquellen auf dem Weg erkannt werden, brauchen Kinder sechs bis zehn Wiederholungen.

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