Wie Microsoft das Surface vom Flop zum Vorzeige-Tablet machte

24. September 2016, 09:41
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Mittlerweile beraten alle wichtigen Microsoft-Abteilungen die Surface-Macher

Beinahe hätte Microsoft seine Surface-Reihe eingestellt: Jahrelang reihte sich Flop an Flop, das iPad schien im Tablet-Bereich uneinholbar zu sein. Doch mit Sturheit, Innovationskraft und Detailverliebtheit konnte Microsoft für eine Wende sorgen – und spätestens seit Apples iPad Pro gilt der Windows-Hersteller sogar als Stichwortgeber im Tablet-Markt.

Reaktion auf das iPad

Nachdem Apple mit dem iPad 2010 erstmals ein größeres Tablet mit Touchscreen auf den Markt brachte –und sich auch Android-Tablets immer größerer Beliebtheit erfreuten – war Microsoft schnell klar, dass ein ähnliches Gerät mit Windows erscheinen musste. Doch die Hardware-Partner hatten kein Interesse daran, ein Windows-Tablet zu kreieren. Deshalb musste Microsoft selbst in die Bresche springen und das "Surface" entwickeln. 2010 startete die Entwicklung unter der Leitung von Panos Panay, 2012 kam das erste Gerät auf den Markt.

900 Millionen Dollar Abschreibung

Es wurde ein riesiger Flop: Microsoft musste nach wenigen Monaten Inventar im Wert von 900 Millionen Dollar abschreiben. Zwar lobten einige Kritiker das Gerät, insgesamt gab es jedoch zu viele frustrierende Probleme: Das Surface lief auf einer Windows-Sonderversion namens Windows RT und konnte nur speziell dafür designte Apps abspielen. Das Surface Pro, das hingegen auf Windows 8 lief, hatte eine schlechte Akkulaufzeit. Microsoft hielt zwar den Kurs, aber auch das Surface (Pro) 2 brachte keine guten Ergebnisse.

Alle helfen mit

2014 wurde Satya Nadella Microsoft-Chef. Er entschied sich dafür, die Tablet-Reihe beizubehalten und konzentrierte sogar noch mehr Ressourcen darauf. "Wenn wir Hardware machen, dann müssen wir dafür Gründe liefern", soll Nadella laut Business Insider zu Panay gesagt haben. Sprich: Microsoft muss beweisen, dass es exzellente Hardware für Windows-Nutzer herstellen kann, sonst soll der Konzern dies gleich bleiben lassen.

Das Surface-Team profitierte daraufhin von der stärkeren Integration unterschiedlicher Microsoft-Bereiche, die künftig allesamt enger zusammenarbeiten sollten. Beim Surface Pro 3 half etwa das Skype-Team mit, gute Lautsprecher, Kamera und Mikrofon auszuwählen. Das One-Note-Team beschäftigte sich mit dem Stylus. Kurzum: (Fast) ganz Microsoft war an der Entwicklung des Tablets beteiligt. Und tatsächlich schaffte Microsoft die unerwartete Wende – auch, weil mit Business-Nutzern eine Zielgruppe gefunden wurde.

Microsoft wird Vorreiter

Mit dem Surface (Pro) 3 wurden erstmals die Erwartungen der Firmenspitze erfüllt. Beim Surface Pro 4 wurde bisher sogar auf ein reguläres Äquivalent verzichtet. Gemeinsam mit IBM will Microsoft die Verbreitung im Geschäftsbereich forcieren, außerdem wurde Windows 10 mit Blick auf mobile Nutzung entwickelt. Mit dem Surface Book gibt es nun sogar einen Laptop, der von Microsoft hergestellt wird. Krönung der Bemühungen war wohl Apples Präsentation des iPad Pro, das klar vom Surface Pro inspiriert worden ist. (red, 24.9.2016)

  • Der ehemalige Microsoft-Chef Steve Ballmer präsentiert das erste Surface
    foto: dapd/dovarganes

    Der ehemalige Microsoft-Chef Steve Ballmer präsentiert das erste Surface

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