Carinthischer Sommer: Pech und Glück

Analyse22. August 2016, 09:00
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Intendant Holger Bleck hat seine erste Saison niederschwellig programmiert

Villach/Ossiach – Pech: Die Picknick-Konzerte in Hof, Keller und Park des Schlosses Damtschach am Sonntag fielen teilweise dem Kärntner Regensommer zum Opfer. Glück: Das Congress Center Villach war am Freitag fast bis auf den letzten Platz ausverkauft, als der Kapstädter Opernchor African Angels beim Carinthischen Sommer (CS) mit einer Mischung aus Gospels, Opernchorgesängen und südafrikanischen Volksliedern auftrat. Die Champagnerarie aus der Fledermaus auf Xhosa hat schon was, Standing Ovations und kollektives Klatschen inklusive. Ärgerlich war aber, dass das Konzert ein Nummernrätsel war: Was? Aus welcher Oper?

Schmecks, Publikum? Das Konzept des neuen CS-Intendanten Holger Bleck, das Festival möglichst niederschwellig anzulegen, ist löblich – und bis auf wenige Ausnahmen (Geigerin Lidia Baich und Pianist Matthias Fletzberger spielten vor halbleeren Rängen) wirklich gelungen. Die Kärntnerinnen und Kärntner mochten hören, was ihnen Bleck anbot. Keine intellektuellen Mauern, U-, E-, Experimental- , Pop- und Volksmusik: klingt richtig gut.

Hapern in der Umsetzung

In der Umsetzung hapert es dann aber noch ein wenig. Leider. Die Programmhefte waren großteils von atemberaubender Belang- und Gehaltlosigkeit. Weder bei dem großartigen Konzert der mehrfach ausgezeichneten französischen Jazzer Vincent Periani (Akkordeon) und Émile Parisien (Saxofon) noch beim oberösterreichischen Vokalensemble Lalá oder beim Faltenradio, einer ohrenschmeichelnden Formation von Matthias Schorn (Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker), Alexander Neubauer (Klarinettist der Wiener Symphonikern) sowie den Musikdozenten Alexander Maurer und Stefan Prommegger gab es Informationen darüber, was genau sie denn spielen. Wissen erhöht den Genuss.

Was sich nicht zuletzt bei den (von erhellenden Programminfos begleiteten) Porträtkonzerten im Steinhaus Domenig sowie bei Gottfried von Einems Kirchenoper Jesu Hochzeit im Stiftshof Ossiach gezeigt hat. Sie aus der Versenkung zu holen war Blecks größtes Verdienst. Apropos Kirchenoper: Sie von Ossiach ins Lavanttaler Stift St. Andrä auszulagern beschädigt die Marke – und wirkt wie ein Kniefall vor Kulturlandesrat Christoph Benger, der seine Heimatgegend mit dem CS aufmotzen möchte.

Übrigens: Komplett ausverkauft ist der Höhe- und Schlusspunkt des CS. Beim Konzert des London Philharmony Orchestra am Donnerstag weiß man ausnahmsweise auch schon, was sie spielen werden: die Ouverture zu Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg, Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur und Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27. (Andrea Schurian, 22.8.2016)

  • CS-Intendant Holger Bleck.
    foto: ferdinand neumüller

    CS-Intendant Holger Bleck.

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