Trumps Firmen haben doppelt so viel Schulden wie behauptet

20. August 2016, 22:57
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Zeitung untersuchte Unternehmen des Präsidentschaftskandidaten, dieser wirbt um um Stimmen der Afroamerikaner

Washington – Firmen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haben laut einem Bericht der "New York Times" Schulden in Höhe von mindestens 650 Millionen Dollar (rund 574 Mio. Euro) – mehr als das Doppelte der Rückstände, die sein Wahlkampfteam bisher eingestanden hatte.

Für ihren am Samstag veröffentlichten Bericht ließ die US-Zeitung ein spezialisiertes Unternehmen öffentlich zugängliche Daten über mehr als 30 Unternehmen aus dem Konglomerat des Immobilienmagnaten durchleuchten. Zusätzlich zu den 650 Millionen Dollar Schulden sei zu berücksichtigen, dass ein "bedeutender Teil von Trumps Vermögen" durch drei unternehmerische Partnerschaften gebunden sei. So stehe einer Reihe von Gläubigern ein Gesamtbetrag von umgerechnet rund 1,76 Milliarden Euro zu, berichtete die Zeitung.

Der Milliardär Trump stellt in seinem Wahlkampf immer wieder sein angeblich extrem erfolgreiches Immobilien-Imperium heraus und gibt seinen Besitz mit umgerechnet 8,8 Mrd. Euro an. Forderungen auch aus der eigenen Partei, seine Steuererklärung zu veröffentlichen oder eine unabhängige Überprüfung seines Vermögens zuzulassen, wies er jedoch stets zurück.

Die Untersuchung zeige, "wie rätselumwoben Trumps Geschäfte sind", hieß es in der "NYT". Zudem bringe sie zutage, dass Trumps Wohlstand "stark von einem großen Geflecht finanzieller Unterstützer abhängt, darunter einer, den er während seines Wahlkampfes attackiert hat".

Zu Trumps Geldgebern gehört eine der größten Banken Chinas, das von dem republikanischen Kandidaten als wirtschaftlicher Erzfeind der USA angeprangert wird. Geld erhielt er auch von der US-Investitionsbank Goldman Sachs, der er vorwarf, seine demokratische Rivalin Hillary Clinton zu beeinflussen.

Werben um Stimmen der Afroamerikaner

Angesichts seiner seit Wochen schlechten Umfragewerte hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump gezielt die afroamerikanischen Wähler angesprochen. Die Afroamerikaner hätten unter der "Kontrolle der Demokraten stark gelitten", sagte Trump am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan.

"Keine Gruppe in Amerika" sei stärker geschädigt worden von der Politik der Ex-Außenministerin Hillary Clinton, seiner jetzigen Rivalin im Kampf um das Präsidentenamt. Vor einer weit überwiegend weißen Anhängerschaft sagte Trump, er werbe um "jeden einzelnen afroamerikanischen Bürger". Clintons Wahlkampfteam konterte, Trump habe "jeden Kontakt mit der afroamerikanischen Gemeinschaft verloren". Der Republikaner habe sich mit Anhängern der Theorie von einer Überlegenheit der Weißen eingelassen und der "Diskriminierung" Vorschub geleistet, sagte Clintons Mitarbeiter Marlon Marshall.

"Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues wagt?", sagte Trump an die schwarzen US-Bürger gerichtet. Traditionell stimmen die Afroamerikaner für die Demokraten, 2012 erhielt der republikanische Bewerber Mitt Romney nur rund sechs Prozent der Stimmen von Afroamerikanern. Trump kam im Schnitt der jüngsten Meinungsumfragen laut einer Auswertung von Real Clear Politics in der Gesamtbevölkerung nur noch auf 41,2 Prozent, Clinton auf 47,2 Prozent.

Wahlkampf im Hochwassergebiet

Trump kam zu dem Wahlkampfauftritt in Michigan im Norden der USA nach einem Besuch der Überschwemmungsgebiete in Louisiana im Süden. Der 70-Jährige trat in einem Hemd mit offenem Kragen und mit einer weißen Kappe mit dem Aufdruck "Make America Great Again" auf. Er rühmte den Durchhaltewillen der Überschwemmungsopfer und kritisierte Präsident Barack Obama, der seinen Urlaub auf der Insel Martha's Vineyard trotz der Überschwemmungen fortgesetzt habe. "Obama hätte den Golfplatz verlassen müssen", sagte Trump.

Trump und sein Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten, Mike Pence, begaben sich mit republikanischen Lokalpolitikern in einige der besonders betroffenen Unwetterzonen. Der US-Staat im Süden des Landes kämpft seit Tagen mit Überschwemmungen. Die Zahl der Toten stieg auf 13, rund 40.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört, während 86.000 Menschen Notfallhilfen beantragten. Das Weiße Haus teilte am Freitag schließlich mit, Obama werde am kommenden Dienstag die Stadt Baton Rouge in Louisiana besuchen.

Heimatschutzminister Jeh Johnson hatte am Donnerstag bei einem Besuch vor Ort gesagt, der Chef der Exekutive könne "nicht überall sein". Der demokratische Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards, verwies seinerseits auf die aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen bei einem Besuch Obamas. In der aktuellen Lage habe er darauf "keine große Lust", Obama könne sich ruhig "noch eine oder zwei Wochen Zeit lassen".

Am Freitag trennte Trump sich von seinem bisherigen Wahlkampfmanager Paul Manafort. Der 67-Jährige war wegen dubioser Zahlungen aus der Ukraine unter Druck geraten.

Rasmussen warnt vor Trump

Der frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen äußerte im ZDF-Nachrichtenportal heute.de unterdessen Zweifel an Trumps Entschlossenheit zur Bündnistreue. Trump weigere sich, die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland zu verurteilen, sagte Rasmussen. Eine Reduzierung des militärischen Engagements der USA könne ein "Machtvakuum" schaffen. Das könne von den "Schurken dieser Welt" gefüllt werden. Dazu zählte Rasmussen auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin. (APA, AFP, 20.8.2016)

  • Donald Trump am Samstag nach einem Treffen mit Vertretern des "Hispanic Advisory Council"
    foto: reuters/eduardo munoz

    Donald Trump am Samstag nach einem Treffen mit Vertretern des "Hispanic Advisory Council"

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