Literatin Asli Erdogan soll "Volksverhetzung" vorgeworfen werden

20. August 2016, 13:52
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Kollegen in Sorge um inhaftierte Autorin, die in Graz "Writer in Exile" war. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schreibt Protestbrief an den türkischen Botschafter

Istanbul/Winterthur/Graz – Am Mittwoch wurde die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan in ihrer Wohnung in Istanbul festgenommen und war zunächst für Angehörige und Kollegen verschwunden – DER STANDARD berichtete. Nun meldete sich ein Autorenkollege Erdogans, Yusuf Yesilöz, bei der Kulturvermittlung Steiermark, auf deren Einladung Erdogan 2013 und 2014 "Writer in Exile" der Stadt Graz war, mit beunruhigenden Nachrichten. Yusuf Yesilöz ist Schweizer Schriftseller mit kurdischen Wurzeln und im Vorstand des Deutsch-Schweizer Pen-Zentrums. Seinen Informationen zufolge soll Erdogan zwischenzeitlich vom Polizeigewahrsam in ein Krankenhaus verbracht worden und nun wieder inhaftiert worden sein.

Schwere Vorwürfe

Der Literatin, die auch im Beratungsrat der kürzlich verbotenen kurdischen Tageszeitung "Özgür Gündem" war, sollen schwere Delikte, wie etwa Propaganda für eine illegale Organisation, Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation und Volksverhetzung vorgeworfen werden. Als Beweismittel sollen der Justiz dafür ihre Kolumnen und Artikel genügen.

Prominente türkische und kurdische Autoren haben indes eine Online-Petition für ihre Kollegin gestartet, die schon Tausende unterzeichnet haben.

Seitens der Kulturvermittlung Steiermark zeigte man sich am Samstag sehr besorgt um die Literatin, die sich in Graz sehr wohl gefühlt hatte. "Wir kümmern uns auch nach der Abreise unserer Writers in Exile um diese und bleiben immer in Kontakt, solange das möglich ist."

Nagl: "Für sie wird es immer einen Platz in Graz geben."

Der Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP) sagte dem STANDARD am Samstag, man bereite einen Protestbrief an den türkischen Botschafter in Österreich vor: "Die Stadtregierung ersucht darin um dringende Aufklärung um den Verbleib von Asli Erdogan, die hier in Graz sehr erfolgreich gearbeitet hat." Man werde sicher nicht dulden, "dass sie einfach verschwindet und sich nicht mehr um sie kümmern. Für sie wird es immer einen Platz in Graz geben. "Wenn sie Asli Erdogan abschieben wollen, bei uns ist sie willkommen", so der Grazer Stadtchef. (Colette M. Schmidt, 20. 8. 2016)

  • Grazer Stadtchef Nagl an die Türkei: "Wenn sie Asli Erdogan abschieben wollen, bei uns ist sie willkommen!"
    foto: gürcan öztürk

    Grazer Stadtchef Nagl an die Türkei: "Wenn sie Asli Erdogan abschieben wollen, bei uns ist sie willkommen!"

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