Ratlose Ruprecht nach fehlerfreier Vorstellung 20.

20. August 2016, 07:00
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Tirolerin stark unterbewertet: "Kann nicht nachvollziehen, was passiert ist" – Coach Egermann: "Ihr klar bester Wettkampf"

Rio de Janeiro – Die Österreicherin Nicol Ruprecht hat am Freitag ein perfektes olympisches Debüt hingelegt. In der Qualifikation der Rhythmischen Gymnastik gelangen der 23-Jährigen in Rio de Janeiro alle vier Übungen fehlerfrei. Von den Wertungsrichtern wurde Ruprecht unter 26 Aktiven aber nur an 20. Stelle gereiht, dabei hatten sie ausländische Trainer nach den Trainingseindrücken als Finalkandidatin gehandelt.

Die Top Ten erreichten die ab Samstag ab 20.20 Uhr MESZ angesetzte Medaillenentscheidung, darauf fehlten Österreichs bester Gymnastin mit 67,748 Punkten rund 2,1 Zähler. "Ich bekomme sonst bei Wettkämpfen 17,7, da bekomme ich 16,6", bezog sich Ruprecht beispielhaft auf ihre Ball-Übung. "Für mich war es optimal. Ich kann es nicht nachvollziehen, was passiert ist. Ich bin auch ein bisschen traurig darüber."

Das Wichtigste sei ihr, dass sie alles gegeben habe. Sie sei zufrieden mit dem, was sie gemacht habe. Und nachdem sie ihre Benotung für ihre Auftakt-Übung mit dem Ball gesehen hatte (16,666), wollte sie erst recht pushen. "Ich bin voll stolz auf mich selber, dass ich mich da nicht unterkriegen habe lassen. Ich habe nicht gesagt, ich will oder kann nicht mehr. Ich habe dann nichts mehr verlieren können und zeigen können, dass ich das nicht verdient habe."

Tränen an Trainerins Schulter

Besonders hatte die Wahl-Wienerin auf ihre Band-Kür gesetzt. Die hatte sie zur Musik vom Prince-Hit "Kiss" einstudiert, nachdem der Popstar am Tag ihrer Olympia-Qualifikation gestorben war. "Es war mein Hintergedanken, dass die Leute bei 'Kiss' aufstehen und am liebsten zum Tanzen anfangen. Nachdem das mit den Wertungen war, habe ich mir gesagt, jetzt mache ich es für das Publikum." Und das klatschte tatsächlich rhythmisch mit.

Die Bewertung dafür und danach für die Keulen-Kür lagen dann zwar knapp über 17 Punkten, aber noch immer unter ihrem Durchschnitt. Ruprecht: "Die ersten zwei waren zu nieder bewertet. Die letzten zwei weiß ich auch nicht, was sie mir da noch abgezogen haben." Nachdem sie ihre letzte Note erfahren hatte, konnte die Finalistin der Europaspiele 2015 die Tränen nicht mehr halten, lehnte sich an die Schulter von Coach Lucchia Egermann.

"Das war ihr bis jetzt klar bester Wettkampf. Die Noten sind allerdings eine herbe Enttäuschung", meinte die Trainerin. "Nici hat etwas Besseres als den 20. Rang verdient." ÖFT-Sportdirektorin Gabriela Welkow-Jusek war ebenso ratlos: "Das verstehe, wer kann." Die u.a. von ihrer Mutter in der Arena angefeuerte Ruprecht meinte noch, dass andere anwesende Kampfrichter sicher mitbekommen hätten, was mit ihren Bewertungen gelaufen sei.

"Mein Traum wäre der 10. Platz gewesen"

Das Kampfgericht bei Olympia sei jedenfalls nicht aus den Besten sonstiger Wettkämpfe zusammengesetzt, sondern bestehe nur aus Leuten aus Ländern ohne teilnehmende Athletin. Diese kämen aber oft nicht aus der obersten Güteklasse. Ursprünglich habe sie ein wenig mit dem Finale spekuliert. "Mein Traum wäre sicher der 10. Platz gewesen." Nun hält weiter die Vorarlbergerin Caroline Weber als 17. von Peking 2008 den besten rot-weiß-rote Rang.

Ruprecht habe in drei Wochen Rio bei einem freien Tag sechs Stunden täglich trainiert. "Ich habe das Dorf kein einziges Mal verlassen. Olympia-Tourismus schaut so sicher nicht aus", reagierte sie auf Berichte über andere ÖOC-Aktive. "Es ist schwierig, die nächsten vier Jahre weiterzumachen, weil man alles hört, was über Leute geredet wird, die keine Medaille machen. Es tut einfach auch weh. Deswegen muss ich mir das wirklich stark überlegen."

Beste war die 20-jährige Russin Margarita Mammun (74,383) vor der 18-jährigen Landsfrau und Triple-Weltmeisterin Jana Kukrjawzewa (73,998) sowie der 23-jährigen Ukrainerin Ganna Rizatinowa (73,932). Tosenden Applaus gab es für Afrika-Vertreterin Elyane Boal. Die 18-Jährige von den Kapverden erhielt mit 38,640 Punkten nur knapp mehr als die Hälfte Mammuns, war aber ein erfrischender Kontrast zur versuchten Perfektion der Konkurrenz. (APA; 20.8.2016)

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