Dramatische Szenen im Gehen-Marathon

Video19. August 2016, 19:47
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Weltrekordler Diniz brach unterwegs zusammen – Beinahe 40 Athleten mussten der großen Hitze Tribut zollen und aufgeben – Gold an slowakischen Weltmeister Matej Toth

Rio de Janeiro – "Garten-Olympiasieger" Jared Tallent hat nach Gold am Grünen Tisch die Goldmedaille auf der Straße knapp verpasst, Weltrekordler Yohan Diniz im Geher-Drama von Rio für bange Momente gesorgt: In einer grenzwertigen Hitzeschlacht musste sich der Australier Tallent über 50 km hinter dem slowakischen Weltmeister Matej Toth mit Silber begnügen, nachdem er schon 2012 als Zweiter durchs Ziel marschiert war – den Olympiasieg von London hatte er aufgrund der Doping-Disqualifikation von Sergej Kirdjapkin erst nach vier Jahren zugesprochen bekommen.

Viele hitzebedingte Aufgaben

Der Franzose Diniz quälte sich nach einem schweren Zusammenbruch und mit Durchfall-Attacken kämpfend mit einem schier unglaublichen Kraftakt noch als Siebter ins Ziel. Insgesamt beendeten bei Temperaturen von über 30 Grad fast 40 Geher den Wettbewerb nicht – im Männer-Marathon am Sonntag drohen ähnliche Szenen. Mehr als ein Dutzend Athleten wurde zudem disqualifiziert.

Der 31 Jahre alte Tallent lag bis anderthalb Kilometer vor dem Ziel noch in Führung, ehe Toth vorbeizog und nach 3:40:58 Stunden vor Tallent (3:41:16) siegte. Der Drittplatzierte Hirooki Arai (Japan/3:41:24) wurde nach dem Rennen zunächst disqualifiziert, sein Protest war jedoch erfolgreich, so dass er Bronze vor dem Kanadier Evan Dunfee behielt. "Ich hätte mir gewünscht, dass das Rennen eine Runde früher zu Ende gewesen wäre", sagte Tallent: "Ich wollte wirklich Gold, jetzt bin ich aber glücklich mit Silber."

Siegerehrung im Garten

Tallent war nach Bronze 2008 in Peking vier Jahre später in London ebenfalls zu Silber gegangen, nachträglich im März aber zum Gewinner erklärt worden. Mit Freunden und Familie veranstaltete Tallent danach im heimischen Garten seine ganz eigene Siegerehrung.

pat birgan

"Es war sicher nicht so, wie es an diesem einen Tag in London hätte sein sollen", sagte Tallent. Er war sich damals sicher, dass "ich der Sieger, der wahre Gewinner war, als ich ins Ziel kam". Das Gefühl des Zieleingangs als Sieger verpasste er nun auch in Rio.

Der nach London als Dopingsünder enttarnte Russe Kirdjapkin gehörte zur berüchtigten Geher-Trainingsgruppe um Skandaltrainer Wiktor Tschegin in Saransk. Dort gehörte Doping offenbar zum Tagesgeschäft, die Enthüllungen über die Geher trugen dazu bei, dass Russlands Leichtathleten von Olympia in Rio ausgeschlossen wurden.

Drama um Weltrekordler Diniz

Dramatische Szenen spielten sich um Weltrekordler Diniz ab. Der Franzose hatte nach 30 Kilometern klar geführt, kämpfte da aber schon mit körperlichen Problemen, litt unter Durchfall – gnadenlos in Nahaufnahme vom TV-Motorrad festgehalten. Diniz stellte sich in den Schatten, wartete auf die Verfolger, hielt eine Zeit lang mit. Dann brach der 38-Jährige offenbar dehydriert und völlig entkräftet auf der Straße zusammen, rappelte sich auf – und schleppte sich noch ins Ziel.

Den Frauenbewerb wurde zur Beute der chinesichen Weltmeisterin Liu Hong, die sich Gold über 20 km Gehen gesichert hat. Liu setzte sich nach 1:28:35 Stunden vor der Mexikanerin Maria Gudelupe Gonzalez (1:28:37) durch, Bronze ging an Chinas Vizeweltmeisterin Lu Xiuzhi (1:28:42). (sid, 19.8.2016)

Männer, Gehen 50 km: 1. Matej Toth (SVK) 3:40:58 Std. – 2. Jared Tallent (AUS) 3:41:16 – 3. Hirooki Arai (JPN) 3:41:24 – 4. Evan Dunfee (CAN) 3:41:38 – 5. Yu Wei (CHN) 3:43:00 – 6. Robert Heffernan (IRL) 3:43:55 – 7. Havard Haukenes (NOR) 3:46:33 – 8. Yohann Diniz (FRA) 3:46:43

Damen, Gehen 20 km: 1. Liu Hong (CHN) 1:28:35 Stunden – 2. Maria Guadalupe Gonzalez (MEX) 1:28:37 – 3. Lu Xiuzhi (CHN) 1:28:42 (CHN) – 4. Antonella Palmisano (ITA) 1:29:03 – 5. Qieyang Shijie (CHN) 1:29:04 – 6. Ana Cabecinha (POR) 1:29:23 – 7. Erica de Sena (BRA) 1:29:29 – 8. Beatriz Pascual (ESP) 1:30:24

  • Für Matej Toth lief das Gehen perfekt.
    foto: reuters/damir sagolj

    Für Matej Toth lief das Gehen perfekt.

  • Für Yohann Diniz endete es in einem Albtraum.
    foto: apa/afp/jewel samad

    Für Yohann Diniz endete es in einem Albtraum.

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