Trumps Wahlkampfmanager Manafort gibt auf

19. August 2016, 22:48
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Präsidentschaftskandidat akzeptiert Rücktritt und muss sein Team zum zweiten Mal binnen zwei Monaten umbauen

New York/Washington – Der Wahlkampfmanager des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, Paul Manafort, ist zurückgetreten. Manafort habe seinen Rücktritt angeboten und er habe ihn angenommen, teilte Trump am Freitag mit. Der Immobilienmilliardär hatte am Mittwoch zum zweiten Mal binnen zwei Monaten sein Wahlkampfteam umgebaut.

Offiziell behielt Manafort seinen Posten, jedoch wurde ihm Stephen Bannon als Geschäftsführer der Wahlkampagne zur Seite gestellt – was auf Manaforts Entmachtung hinauslief.

Millionen aus der Ukraine?

Der 67-jährige Manafort geriet in den vergangenen Tagen ins Zwielicht. Die "New York Times" berichtete Einzelheiten darüber, dass er jahrelang für den ehemaligen ukrainischen Präsidenten und Kreml-Verbündeten Viktor Janukowitsch gearbeitet und dafür möglicherweise Millionenbeträge kassiert hatte.

Zwar wies der Trump-Manager jeden Schwarzgeld-Verdacht als "töricht" zurück. Die ukrainische Anti-Korruptions-Behörde veröffentlichte aber an diesem Freitag Abrechnungsbögen, auf denen Manafort als Empfänger von umgerechnet 11,35 Millionen Euro genannt wird. Der Abgeordnete Sergej Leschtschenko von der pro-westlichen Regierungsmehrheit warf Manafort vor, er habe seine Kontakte zu den prorussischen Kräften bis in das Jahr 2015 hinein aufrechterhalten.

Spannungen im Team Trump

In Trumps Team gab es offenkundig erhebliche Spannungen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat geriet in den vergangenen Wochen nach schlechten Umfrageergebnissen gegenüber seiner demokratischen Mitbewerberin Hillary Clinton in die Defensive. Trump ernannte bei der Umbildung seines Teams am Mittwoch auch eine neue Kampagnenmanagerin, Kellyanne Conway. Diese erklärte umgehend, das neue Team werde "sicherstellen, dass Donald Trump sich in seiner eigenen Haut wohl fühlt, dass er seine Authentizität nicht verliert".

Am Donnerstag äußerte Trump allerdings Bedauern über seine rhetorische Entgleisungen. "Manchmal wählt man nicht die richtigen Worte oder man sagt etwas Falsches, wenn man in der Hitze des Gefechts steht und über eine Vielzahl Dinge spricht", räumte Trump bei Kundgebung in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ein. "Ich habe das getan. Und ob man mir das glaubt oder nicht – ich bedaure es."

Trump hielt die Rede nicht frei, sondern las sie vom Teleprompter ab. Er deutete die Bereitschaft an, nicht mehr durch den Stil seiner Auftritte von den politischen Inhalten ablenken zu wollen: "Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass wir uns mit diesen Dingen aufhalten sollten." Manafort hatte versucht, Trump zur Mäßigung zu bewegen.

Auch Larry King soll Geld erhalten haben

Nach den Enthüllungen über Donald Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort wegen dubioser Zahlungen aus der Ukraine sind auch gegen den Talkshow-Moderator Larry King ähnliche Vorwürfe laut geworden.

"Larry King war einer der Leute, die Geld vom Schwarzkonto der Partei der Regionen bekommen haben", sagte der ukrainische Abgeordnete Sergej Leschtschenko am Freitag mit Blick auf die prorussische Partei des früheren ukrainischen Staatschefs Viktor Janukowitsch.

Leschtschenko gehört der pro-westlichen Regierungsmehrheit in Kiew an. Früher arbeitete er für die renommierte investigative Internetzeitung "Ukrainska Prawda" und erwarb sich damit Ansehen. Larry King hatte im US-Sender CNN jahrelang seine eigene Sendung, bevor er dort Ende 2010 aufhörte. Danach startete der US-Moderator mit Unterstützung des Kreml-freundlichen englischsprachigen Senders Russia Today eine neue Sendung.

Die Chefredakteurin von "Ukrainska Prawda", Sewgil Musajewa-Borowik, sagte, King habe mutmaßlich 225.000 Dollar (199.000 Euro) dafür erhalten, dass er 2012 ein Interview mit dem ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Mikola Asarow geführt habe. Asarow war ein Gefolgsmann von Janukowitsch und lebt mittlerweile im Exil in Russland. King war für eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen zunächst nicht zu erreichen.

Manafort war in den vergangenen Tagen ins Zwielicht geraten, nachdem die "New York Times" berichtet hatte, dass er für seine jahrelange Arbeit für Janukowitsch möglicherweise Millionenbeträge kassiert habe. Zwar wies Manafort den Schwarzgeld-Verdacht als "töricht" zurück, doch trat er am Freitag als Wahlkampfmanager des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Trump zurück.

Die ukrainische Anti-Korruptions-Behörde veröffentlichte Abrechnungsbögen, auf denen Manafort als Empfänger von umgerechnet 11,35 Millionen Euro genannt wird. Die ukrainischen Behörden räumten zugleich ein, damit stehe noch nicht fest, dass das Geld tatsächlich an ihn geflossen sei.

(APA, AFP, 19.8.2016)

  • Paul Manafort hat genug
    foto: reuters/carlo allegri

    Paul Manafort hat genug

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