Assad bombardiert Kurden, USA evakuieren Spezialeinheiten

20. August 2016, 00:01
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Zivilisten fliehen nach Luftangriffen aus der nordostsyrischen Stadt Hasaka

Beirut/Damaskus – Nach Luftangriffen syrischer Regierungstruppen auf die Stadt Hasaka im Nordosten des Landes hat das US-Militär am Donnerstag in der Nähe der Stadt stationierte Spezialeinheiten von ihren Positionen abgezogen.

Ein Pentagon-Vertreter erklärte gegenüber dem Nachrichtensender CNN, man habe versucht, die beiden syrischen Su-24-Bomber per Funk aufzuhalten, habe aber keine Antwort erhalten.

Darauf habe man Kontakt zu russischen Truppen aufgenommen, die aber beteuerten, nicht hinter den Luftangriffen auf die US-Verbündeten zu stehen.

US-Jets verpassen Syrer

Darauf entsandte die US-Luftwaffe mehrere Kampfjets, die aber die syrischen Flugzeuge nicht mehr antrafen. Mit dem Einsatz hätten die US-Streitkräfte ihre Verbündeten "geschützt" und klar gemacht, dass die US-Luftwaffe "Truppen am Boden im Bedrohungsfall schützen" werde, sagte Pentagonsprecher Jeff Davis am Freitag in Washington.

Zivilisten fliehen

Wegen der Kämpfe haben Tausende Zivilisten den Ort verlassen. Ein Sprecher der kurdischen Miliz YPG sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, vor allem Frauen und Kinder seien aus den von Kurden bewohnten Teilen der Stadt evakuiert worden.

Die syrische Armee bombardiert seit zwei Tagen mit Kampfflugzeugen und Artillerie die Stellungen der YPG. Deren Sprecher sagte, dabei seien Dutzende Zivilisten getötet worden.

Kurden gegen Armee

"Hasaka erlebt nun einen echten Krieg", sagte der YPG-Vertreter. Wer eine Waffe halten könne, kämpfe gegen die Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Die YPD ist der syrische Ableger der in der Türkei verbotenen kurdischen PKK.

Sie kontrolliert große Gebiete im Nordosten Syriens, in denen kurdische Gruppen seit Beginn des Bürgerkrieges eine autonome Verwaltung errichtet haben. Die YPG ist Teil der von den USA aus der Luft unterstützten Syrisch Demokratischen Streitkräfte (SDF), die vergangenes Wochenende die Islamisten-Miliz IS aus der Stadt Manbidsch an der Grenze zur Türkei vertrieben hatten.

Erstmals seit Dezember 2015 gab das russische Verteidigungsministerium einen Einsatz von Marschflugkörpern bekannt. Die drei Raketen vom Typ Kalibr seien von zwei Korvetten im Mittelmeer aus auf Ziele westlich von Aleppo abgefeuert worden, erklärte das Ministerium. Sie hätten ein Kommandozentrum und ein "terroristisches Lager" bei Daret Essa getroffen.

Cavusoglu im Iran

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat vor einem offiziellen Indienbesuch überraschend Zwischenstation in Teheran eingelegt und mit der iranischen Führung über den Syrienkrieg gesprochen. Der im Voraus nicht angekündigte Besuch sei "äußerst nützlich" gewesen, sagte Cavusoglu der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag in New Delhi.

"Wir sind zur Zusammenarbeit bereit, vorausgesetzt die territoriale Integrität Syriens bleibt erhalten", sagte Cavusoglu.

Der Iran und Russland unterstützen in Syrien Präsident Bashar al-Assad, die Türkei ist Teil der US-geführten Koalition gegen die IS-Terrormiliz in Syrien und fordert den Abgang Assads. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden im Norden Syriens einen eigenen Staat errichten könnten – mit entsprechenden Rückwirkungen auf den Kurdenkonflikt im eigenen Land. Die USA arbeiten mit den Kurden gegen den IS zusammen.

"Wir müssen unsere Anstrengungen erhöhen", sagte Cavusoglu. Sonst drohe der Konflikt in Syrien "unlösbar" zu werden. Aus diesem Grunde sei er am Donnerstag auf dem Weg nach Indien in Teheran zwischengelandet. Der Iran und Russland spielten in der Region eine wichtige Rolle. Wichtig aber sei "eine konstruktive Rolle." Andernfalls würden die Kämpfe weitergehen. "Deshalb tun wir alles, was in unseren Kräften steht, damit diese Rolle positiv ist", sagte Cavusoglu. (APA, Reuters, 19.8.2016)

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    foto: apa/afp/delil souleiman

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    foto: reuters/russian ministry of defence

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    foto: apa/afp/delil souleiman

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