Das Indie-Game der Woche: "Headlander"

20. August 2016, 11:00
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Kopf sucht Körper: Double Fines bizarres Action-Spiel holt aus einer simplen Idee das Maximum heraus

Das amerikanische Studio Double Fine ist legendär: Unter der Leitung von Tim Schafer steht das Studio seit seinem Erstling "Psychonauts" für schrägen Humor, bizarre Spielideen und einzigartigen Stil. Auch "Headlander" (Windows, PS4 19,99 Euro) ist in dieser Hinsicht ein typisches Double-Fine-Spiel geworden – die Prämisse ist aber vielleicht noch einen Hauch schräger als zu erwarten. In einem im bunten 70er-Jahre-Science-Fiction-Look gestalteten Raumschiff erwartet den oder die Heldin ganz zu Beginn eine böse Überraschung: Als schwebender Kopf im Astronautenhelm müssen Spielerinnen und Spieler ohne Körper auskommen. Und auch ohne Stimme: Die fehlende Lunge verschafft "Headlander" einen ausdrucksstark grimassierenden und endlich einmal begründet stummen Protagonisten.

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Video: Trailer zu "Headlander".

Drollig

Zum Glück lassen sich die Körper der überall herumlaufenden Roboterbevölkerung auf Knopfdruck übernehmen, und die sich aus diesem unfreiwilligen Körpertausch ergebende Spielmechanik ist der Dreh- und Angelpunkt des Metroidvanias in 2,5D. Manche Sicherheitstüren öffnen sich nur für manche Roboterkörper, besonders enge Rohre lassen sich nur als schwebender Kopf oder im Körper drolliger Staubsaugerroboter durchqueren und so weiter. Aus dieser schlichten Idee holt "Headlander" das Maximum und kommt dabei überwiegend ohne übermäßige Wiederholung einzelner Elemente aus. Auch ein kleiner Fähigkeitsbaum, eine für Übersicht sorgende Karte und die Hintergrundgeschichte erklärende Log-Files werten das Spiel mit der simplen Mechanik weiter auf.

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Video: Trailer zu "Headlander"

Slapstick und Puzzles

Die mit oft an Douglas Adams erinnerndem und manchmal auch dezent unanständigem Humor erzählte Story führt in recht große, frei erkundbare Umgebungen, die sowohl Orientierungssinn als auch Geschicklichkeit zunehmend herausfordern. Das retrofuturistische Design im Stil billiger 70er-Jahre-Science-Fiction zieht sich dabei vom Umgebungs- und Sounddesign über psychedelische Spezialeffekte bis hin zum Interface und Hauptmenü. Es ist dieser Charme, der "Headlander" auch über kleinere Ärgernisse wie vor allem im späteren Verlauf vereinzelt mühsame Speicherpunktsetzung hinwegrettet. Langwierigere Puzzle-Sequenzen und Bosskämpfe sind aber dank Slapstick-Humor und genügend Abwechslung nur moderate Stolpersteine in einem Science-Fiction-Abenteuer, das sich übrigens auch auf dem PC am besten per Joypad erleben lässt.

"Headlander" ist kein vor Ideen sprühender Instant-Kultklassiker wie das legendäre "Psychonauts" – welches Spiel kann das schon von sich behaupten? -, aber dafür ein durchwegs originelles und vor allem überaus charmantes Spiel mit einer Extraportion Style und Humor. Nicht nur Fans von Double Fine werden an diesem kleinen, bizarren Spiel mit Köpfchen ihren Spaß haben. (rsi, 20.8.2016)

"Headlander" ist für Windows-PC und PS4 erschienen. UVP: 19,99 Euro.

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