Deutschkurse: Ohne Freiwillige geht es kaum

21. August 2016, 15:00
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Im September beginnen geförderte Deutschkurse für Asylberechtigte. Die sprachliche Integration Asylsuchender hängt allerdings immer noch größtenteils vom freiwilligen Engagement ab

"Manche Lernmaterialien, die ich gefunden habe, gefallen mir nicht. Deshalb habe ich alleine welche entwickelt. Wir müssen hier schon improvisieren", erzählt Rolf Walden. Der Account-Manager aus Wien, der hauptberuflich in der EDV-Branche tätig ist, engagiert sich seit Februar als freiwilliger Deutschlehrer im Caritas-Notquartier in der Pfeiffergasse in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Walden ist einer der rund 20 freiwilligen Deutschlehrerinnen und -lehrer, die in der Caritas Wien Asylwerber mit Deutschunterricht unterstützen. Die wohl prominenteste Freiwillige unter ihnen ist die langjährige ORF-Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi. "Viele unserer freiwilligen Deutschlehrer arbeiten in Vollzeit und kommen trotzdem nach der Arbeit zum Deutschunterricht", erklärt David Himler vom Caritas-Bildungszentrum in Wien-Favoriten.

Freiwilligenarbeit als treibende Kraft

Während für die sprachliche Integration von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten bereits finanzielle Mittel im Rahmen des Anfang des Jahres geschnürten Integrationspakets gesichert sind, werden Deutschkurse für Asylwerber bzw. für Personen ohne Status in Österreich immer noch größtenteils auf freiwilliger Basis organisiert.

Im Notquartier in der Pfeiffergasse hängt das Interesse am Deutschkursangebot jedoch stark vom Alter ab. "Von 200 Personen, die derzeit in unserem Notquartier leben, nimmt ungefähr die Hälfte an den freiwilligen Deutschkursen teil", sagt uns Fayad Mulla-Khalil, Leiter des Notquartiers. Bei manchen Erwachsenen fehle allerdings das Interesse am Sprachenlernen. "Insbesondere Kinder nehmen jedes Angebot gerne wahr, viele von ihnen gehen hier in die Schule und können bereits nach wenigen Monaten sehr gut Deutsch", so Mulla-Khalil.

Erwachsene tun sich schwerer

Bei den Erwachsenen sei die Situation jedoch anders: "Viele von ihnen sind sich der Bedeutung von guten Sprachkenntnissen nicht bewusst. Oft fehlt das Interesse", erklärt uns der Notquartier-Leiter. Auch prekäre Verhältnisse und Ungewissheit, in denen Asylsuchende leben, wirken sich stark auf die Motivation aus.

Diejenigen, die die Kurse regelmäßig besuchen, seien jedoch motiviert. Das bestätigt auch Rolf Walden, der bis zu dreimal in der Woche eine zweistündige Unterrichtseinheit mit Asylwerbern durchführt: "Die Motivation hier ist schon groß, nur die Freiwilligkeit dieses Angebots führt dazu, dass manche dem Unterricht unregelmäßig folgen". Trotz der schwierigen Lage ist für Walden die schnelle Integration von Asylwerbern der Hauptgrund seines ehrenamtlichen Engagement in der Caritas: "Es ist mir wichtig, dass Asylwerber so schnell wie möglich gute Sprachkenntnisse bekommen."

Das Caritas-Notquartier in der Pfeiffergasse wurde im November eröffnet, als viele Asylwerber von Obdachlosigkeit bedroht waren. Die meisten Bewohner stammen aus Afghanistan und dem Iran. Das Deutschkursangebot wurde hier in den letzten Monaten auch durch den Vorstudienlehrgang der Universität Wien und qualifizierte Lehrkräfte unterstützt.

"Im Falle von Deutschkursen für Asylwerber stellt die Caritas Räume und Lernmaterialien zur Verfügung. Wir ermöglichen den KursteilnehmerInnen auch den Abschluss einer ÖSD-Prüfung", sagt David Himler. Die Caritas Wien bietet pro Semester 20 bis 25 Deutschkurse für Asylwerber sowie für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte. Die Kurse finden im Bildungszentrum oder – wie im Fall der Pfeiffergasse – in einzelnen Notquartieren statt.

Anreize schaffen

Deutschkurse für Asylberechtigte sind in der Caritas bereits an Fördermaßnahmen gekoppelt. Momentan läuft dort das Projekt "Quantensprung", das Personen mit positivem Status in Österreich nicht nur die nötigen Deutschkenntnisse, sondern auch den Arbeitsalltag in Österreich näherbringt, etwa durch Praktika und Sozialberatung.

Für Asylwerber beziehungsweise Personen in Grundversorgung fehlen bisher solche Maßnahmen. "Unser Wunsch wäre schon, auch Deutschkurse für Asylwerber als Pflichtangebot zu gestalten. Aufgrund der Freiwilligkeit dieser Kurse fehlt es oft auch an Anreizen, die Asylsuchende motivieren würden, die Sprache zu lernen", sagt Fayad Mulla-Khalil.

Auf der anderen Seite werden Deutschkurse in Wien mittlerweile von vielen Stellen angeboten. Für Kursteilnehmer bedeutet das oft einen fehlenden Überblick: "In Wien hat sich inzwischen eine ziemlich breite Deutschkurs-Landschaft gebildet. Wir würden deshalb die Einführung eines Bildungspasses für Flüchtlinge bzw. Asylberechtigte begrüßen", sagt David Himler und betont die Wichtigkeit, Asylberechtigte mit praktischen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag vertraut zu machen: "Eine Ausweitung von Unternehmenspraktika wäre für Asylberechtigte sehr ratsam".

Zwölf Millionen für Basiskenntnisse

Im September starten für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte Deutschkurse mit Zielniveau A1, die vom Integrationsministerium durch den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) mit zwölf Millionen Euro gefördert werden. "Der ÖIF bietet auch eigene Deutschkurse an, vor allem auf stark nachgefragten Niveaus sowie in Nischenbereichen", sagt Franziska Troger vom ÖIF.

Zusätzlich zu Kursen bietet der ÖIF seit August 2015 im Rahmen des Freiwilligenprojekts "Treffpunkt Deutsch" auch die Möglichkeit zum Üben und Vertiefen von Deutschkenntnissen. Freiwillig Engagierte unterstützen dabei Flüchtlinge und Migranten bei der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse. Dieses Angebot ist freiwillig und offen für alle Interessierten, egal ob sie einen positiven Status in Österreich haben oder nicht. Im Rahmen des Projekts stellt der ÖIF etwa Lernmaterialien und Kopiermöglichkeiten zur Verfügung. "Bislang wurden rund 4.000 Plätze in Lerngruppen in ganz Österreich geschaffen, Deutschlernende bekommen zusätzlich eine Deutsch-Lernbox mit auf den Weg", so Troger. (Nedad Memić, 21.8.2016)

  • Sprachkurs im Flüchtlingsnotquartier im Hotel Favorita in der Laxenburger Straße in Wien.
    foto: robert newald photo

    Sprachkurs im Flüchtlingsnotquartier im Hotel Favorita in der Laxenburger Straße in Wien.

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