39 Lichtjahre entfernte "Venus" bietet höllische Bedingungen

20. August 2016, 18:10
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Selbst beim Vorhandensein einer Sauerstoffatmosphäre wäre der Planet Gliese 1132 b nicht lebensfreundlich

Cambridge – Als 2015 der nur 39 Lichtjahre von uns entfernte Exoplanet Gliese 1132 b entdeckt wurde, weckte er gewisse Hoffnungen. Er wurde als Gesteinsplanet mit dem 1,2-fachen Radius der Erde identifiziert, war also nicht nur der damals noch nächste uns bekannte Exo-Gesteinsplanet, sondern auch einer der erdähnlichsten.

Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail. Gliese 1132 b umkreist seinen Mutterstern 14 Mal enger als der Merkur der Erde und braucht für einen Orbit nur eineinhalb Tage. Da es sich bei diesem Stern um einen sehr leuchtschwachen Roten Zwerg handelt, wird er durch diese Nähe zwar nicht annähernd so stark gegrillt, wie es ihm in unserem Sonnensystem auf einer vergleichbaren Bahn widerfahren würde. Aber ganz kann die geringe Strahlkraft des Sterns die Nähe doch nicht wettmachen: Der Planet bekommt immer noch 19 Mal mehr Strahlung ab als die Erde.

Mit gleichen Voraussetzungen ...

Astronomen halten es für gut möglich, dass der Planet eine Atmosphäre aufweist, eventuell sogar eine aus Sauerstoff. Ein Team um Laura Schaefer vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics hat nun untersucht, was mit Gliese 1132 b im Lauf der Zeit geschehen sein müsste, wenn er ähnlich wie die Erde mit einer von Wasserdampf geprägten Atmosphäre gestartet wäre.

Da der Planet extremer UV-Strahlung ausgesetzt ist, hätte diese den Dampf in Wasser- und Sauerstoff aufgespalten. Die flüchtigeren Wasserstoffmoleküle hätte der Planet zu einem Großteil ins umgebende All verloren. Der immer noch in großen Mengen vorhandene Wasserdampf würde indes für einen enormen Treibhauseffekt wie auf der Venus sorgen.

... zu völlig anderen Ergebnissen

Unter dieser Atmosphäre wäre die Kruste viel länger geschmolzen geblieben als auf der Erde. Der Magmaozean hätte laut Schaefers Berechnungen etwa zehn Prozent des frei gewordenen Sauerstoffs absorbiert. Der Rest wäre zum Großteil dem Wasserstoff ins umgebende All gefolgt, ein Teil könnte aber in der Atmosphäre zurückgeblieben sein, die durch den beschriebenen Prozess schließlich immer dünner wurde.

Obwohl Gliese 1132 b vielleicht der erste Exoplanet ist, in dessen Atmosphäre sich Sauerstoff feststellen lässt, bietet er mit Oberflächentemperaturen bis zu 300 Grad Celsius letztlich keine lebensfreundlichen Bedingungen. Er könnte aber den Astronomen zufolge dazu dienen, die Entwicklung der Venus besser zu verstehen: Immerhin begann unser innerer Nachbarplanet mit Voraussetzungen, die durchaus denen der Erde ähnelten, schlug dann aber eine völlig andere Richtung ein und entwickelte sich zur Höllenwelt. (red, 20. 8. 2016)

  • Fast zum Greifen nahe: Der Exoplanet Gliese 1132 b im Bann seines kleinen Muttersterns.
    illustration: dana berry / skyworks digital / cfa

    Fast zum Greifen nahe: Der Exoplanet Gliese 1132 b im Bann seines kleinen Muttersterns.

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