Triathlet Springer von Emotionen gelähmter 47.

18. August 2016, 20:12
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Salzburger kämpfte gegen Disqualifizierung, versichert aber: "Bin kein Olympia-Tourist" – Doppelsieg der Brownlee-Brüder

Rio de Janeiro – Sein Olympia-Debüt hatte sich Thomas Springer ganz anders vorgestellt. Emotional extrem mitgenommen, in Tränen aufgelöst und ratlos stand der Österreicher am Donnerstag bei den Sommerspielen in Rio im Zielraum des Herren-Triathlons. Platz 47 mit 10:13 Minuten Rückstand auf Sieger Alistair Brownlee hatte er nicht erwartet. Der Brite wiederholte seinen Gold-Coup von London 2012.

Für Springer war das Rennen schon nach dem 1,5-km-Schwimmen gelaufen. Als Letzter des 55-köpfigen Feldes kam er aus dem Meer, 22 Sekunden hinter dem Vorletzten. Beim Verlassen der Wechselzone fasste er eine Zeitstrafe von 15 Sekunden aus. Auf dem Rad schloss Springer zu einigen Athleten auf, der Rückstand auf die Spitze wuchs aber sukzessive. Im 10-km-Laufen versuchte der Salzburger noch sein Möglichstes, wurde aber letztlich sogar überrundet.

"Beim Start hätte ich weinen können"

"Schon heute Morgen war es unglaublich emotional für mich", suchte Springer in seiner Analyse nach Erklärungen. Noch zu Jahresbeginn war er im Olympia-Ranking weit zurück gewesen, ehe sich sein Traum noch erfüllte. "Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, dass ich hier am Start stehe. Und dann ist es mich ziemlich überkommen. Ich habe mich gefühlt wie bei meinem ersten Triathlon, wie bei den Junioren. Beim Start hätte ich weinen können."

Zur Hälfte des Schwimmens verlor der ÖTRV-Athlet den Anschluss. "Die Lücke konnte ich nicht mehr schließen. Dann war Schockzustand." Die nächste emotionale Ohrfeige folgte beim Einlaufen in die Wechselzone. Es wartete nur noch ein Rad, seines. "Ich kann es in Worten nicht beschreiben, was ich dachte, als ich gesehen habe, wo ich stehe. Das ist mir nach meinem Oberschenkelhalsbruch (2010, Anm.) nicht mehr passiert, dass ich soweit hinten aus dem Wasser komme."

Nach Springers Worten folgten 1:30 Stunden der Qual. Die zehnköpfige Rad-Spitzengruppe machte Tempo und drohte in der letzten der acht 4,81-km-Runden, Springer zu überrunden. Dann wäre er aus dem Rennen genommen worden. "Das wäre der Albtraum gewesen. Ich habe halt versucht, meinen olympischen Traum zu Ende zu bringen. Ich hatte nie den Gedanken, aufzuhören. Ich habe mein Leben lang gekämpft, und werde weiterkämpfen."

Durch die späte Qualifikation bedingt habe er heuer 13 Wettkämpfe gehabt, sich im Pyrenäen-Höhencamp und in Banyoles in Spanien in Form bringen wollen, sei aber ermüdet an den Start gegangen. "Es ging vom Anfang bis zum Ende gar nichts. Ich hatte überhaupt keine Kraft, konnte überhaupt nicht pushen. Es war schrecklich." Leute aus den Top Ten habe er schon besiegt, die Brownlee-Brüder etwa hätten heuer davor nur zwei Wettkämpfe absolviert.

"Ich komme wieder"

Springer habe mit alles anderem als einem solchen Abschneiden gerechnet, fasste aber wieder Mut. "Ich bin froh, dass ich hier war und ich komme wieder, 100-prozentig. Das wird nicht der Schluss gewesen sein. Es sind doch die 55 Besten der Welt. Ich kann mich nur entschuldigen. Ich bin kein Olympia-Tourist. Ich war so oft Top 20, Top 10." Mit Coach Joel Filliol wollte der 31-Jährige bereden, ob es wie geplant nun zum WM-Rennen nach Kanada geht.

An der Spitze waren die Positionen auf der ersten der Radrunden bezogen. Die Brownlee-Brüder machten in einer zehnköpfigen Topgruppe Tempo und hielten die erste Verfolgergruppe mit den Springer-Trainingskollegen Richard Murray (RSA/4.) und WM-Leader Mario Mola (ESP/8.) mit mehr als einer Minute Abstand auf Distanz. Schließlich spielten die Brownlees ihre Laufstärke aus, feierten einen Doppelsieg, Alistair sechs Sekunden vor Jonathan.

"Ich war zuversichtlich, da wir im Training an unsere Grenzen gegangen waren", sagte Alistair Brownlee über sich und seinen 26-jährigen Bruder, Dritter 2012. Auf der Zielgeraden hatte der 28-Jährige noch Zeit, sich gebührend feiern zu lassen. Auf den 1-2-Ausgang hatten sie hingearbeitet. "Wir wollten es schon vor vier Jahren so, aber diesmal hat es geklappt." Bronze holte der Südafrikaner Henri Schoeman (+0:42). (APA, 18.8.2016)

Triathlon, Männer (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen): 1. Alistair Brownlee (GBR) 1:45:01 Stunden – 2. Jonathan Brownlee (GBR) +6 Sek. – 3. Henri Schoeman (RSA) 42 – 4. Richard Murray (RSA) 49 – 5. Joao Pereira (POR) 51 – 6. Marten van Riel (BEL) 1:02 Min. Weiter: 47. Thomas Springer (AUT) 10:13

  • Thomas Springer befand sich unterwegs in einem "Schockzustand".
    foto: reuters/carlos barria

    Thomas Springer befand sich unterwegs in einem "Schockzustand".

  • Top: Alistair (re) und Jonathan Brownlee.
    foto: apa/afp/yasuyoshi chiba

    Top: Alistair (re) und Jonathan Brownlee.

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