Medaillengewinner Artykow dopte mit Strychnin

18. August 2016, 17:51
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Bei Gewichtheber aus Kirgisien wurden Spuren jener Substanz nachgewiesen, die früher auch als Rattengift zur Anwendung kam

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist der erste Medaillengewinner des Dopings überführt worden. Der kirgisische Gewichtheber Issat Artykow, der in der Klasse bis 69 kg Bronze gewonnen hatte, wies in einer Probe Spuren des giftigen Alkaloids Strychnin auf. Das teilte der Internationale Sportgerichtshof CAS am Donnerstag mit.

Medaille aberkannt

Der 22-jährige Artykow wurde von den Spielen ausgeschlossen, seine Medaille wurde ihm aberkannt. Der Kolumbianer Luis Javier Mosquera Lozano rückt als Vierter des Wettkampfs nach. Strychnin wird in der Verbotsliste der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) unter dem Punkt "Spezifische Stimulanzien" geführt. Die Substanz wurde früher auch als Rattengift verwendet.

Artykows Fall bringt das Gewichtheben einmal mehr in Verruf. Die Sportart gilt als stark dopingbelastet. Allein 31 Nachtests der Spiele in Peking und London fielen positiv aus, auch Medaillengewinnern wurde die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen.

Dopingtradition

In Rio standen mehrfach Heber mit Dopingvergangenheit auf dem Podest. So war etwa Lascha Talachadse (Georgien), Weltrekordler und am Dienstag Sieger der Königsklasse über 105 kg, bereits wegen der Einnahme von Stanozolol zwei Jahre gesperrt gewesen. Der zweitplatzierte Gor Minasjan (Armenien) war 2013 mit Nandrolon erwischt und ebenfalls für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen worden.

Gewichtheber aus Russland und Bulgarien durften aufgrund der hohen Anzahl an Dopingfällen nicht an den Spielen in Rio teilnehmen. Sperren für Kasachstan und Weißrussland sind vom Weltverband IWF ausgesprochen, aufgrund laufender Verfahren aber noch nicht umgesetzt. (sid, 18.8.2016)

Positive Dopingproben von Olympia-Athleten

Viktoria Orsi Toth (Italien)
Beachvolleyball, bei einem Turnier am 19. Juli in Rom positiv auf das anabole Steroid Clostebol getestet, suspendiert für Olympia.

Michael O'Reilly (Irland)
'Boxen, positiv getestet auf eine bislang unbekannte Substanz, wurde von den Spielen in Rio ausgeschlossen.

Antonis Martasidis (Zypern)
Gewichtheben, am 25. Juli positiv auf eine bislang unbekannte Substanz getestet, suspendiert für Olympia.

Theodora Gianeni, (Griechenland)
Schwimmen, positiv getestet auf eine bislang unbekannte Substanz, suspendiert für Olympia.

Tomasz Zielinski (Polen)
Gewichtheben, in A- und B-Probe positiv auf Nandrolon getestet, suspendiert für Olympia.

Adrian Zielinski (Polen)
Gewichtheben, Bruder von Thomas, ebenfalls positiv auf Nandrolon getestet, ebenfalls von den Spielen ausgeschlossen.

Lin Tzu-Chi (Taiwan)
Gewichtheben, bei einem Test sei laut des nationalen NOK eine "abnormale Reaktion" entdeckt worden. Lin hatte wegen einer Dopingsperre bereits die Sommerspiele in London verpasst.

Kleber da Silva Ramos (Brasilien)
Radsport, am 31. Juli positiv auf das EPO-Präparat Cera getestet, nahm am olympischen Straßenrennen teil, am 18. August ausgeschlossen.

Chen Xinyi (China)
Schwimmen, am 7. August positiv getestet auf das Diuretikum Hydrochlorothiazid, das als markierendes Mittel für Dopingsubstanzen benutzt wird, wurde Vierte über 100 m Schmetterling, am 18. August ausgeschlossen.

Silwia Danekowa (Bulgarien)
Leichtathletik, positiv getestet, angeblich auf das Blutdopingmittel EPO.

Issat Artykow (Kirgisien)
Gewichtheben, positiv getestet auf Strychnin, musste seine Bronzemedaille in der Klasse bis 69 kg abgegeben.

Sergei Tarnowtschi (Moldau)
Canadier-Einer, positiv getestet, musste seine Bronzemedaille über 1000 m zurückgeben.

Kleber da Silva Ramos (Brasilien)
Radprofi, Teilnehmer im Straßenrennen, vor den Spielen positiv auf das EPO-Präparat Cera getestet, ausgeschlossen vom CAS.

Chen Xinyi (China)
Schwimmen, über 100 m Schmetterling Vierte, danach positiv auf das Diuretikum Hydrochlorothiazid getestet, ausgeschlossen vom CAS.

Narsingh Yadav (Indien)
Ringer, vor den Spielen positiv getestet auf Steroide, vom CAS einen Tag vor seinem geplanten Rio-Start für vier Jahre gesperrt.

  • Issat Artykow muss seine Bronze-Medaille wieder zurückgeben.
    foto: apa/afp/goh chai hin

    Issat Artykow muss seine Bronze-Medaille wieder zurückgeben.

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