BMX: Kleine Räder, großes Spektakel

18. August 2016, 16:44
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BMX ist eine der jüngsten Sportarten im olympischen Programm. Österreich ist auch bei der dritten Austragung nicht dabei. Hierzulande hapert es an der Struktur, aber nicht am hoffnungsvollen Nachwuchs

Rio de Janeiro / Wien – "Wenn einen der BMX-Virus gepackt hat, bleibt man dabei", sagt Markus Sedlak. Der Lette Maris Strombergs ist auch dabei geblieben. Er ist zweifacher Olympiasieger – der bisher einzige in dieser Sportart. Bei den Frauen gewann 2008 die Französin Anne-Caroline Chausson, 2012 Mariana Pajon aus Kolumbien. BMX ist erst seit acht Jahren olympisch – mit einer Disziplin, dem Race.

Österreich war in dieser Sportart noch nie olympisch vertreten. Markus Sedlak war bis Jänner 2016 Nationaltrainer für Österreichs BMX-Racer. Es gibt noch keinen Nachfolger. Sedlak also weiß, woran es in Österreich hapert und woran nicht.

In zwei Sekunden von null auf 60

In Rio wird auf einer "Supercross"-Strecke gefahren. Sie weist besonders spektakuläre Sprünge und eine acht Meter hohe Startrampe auf. "Man beschleunigt innerhalb von zwei Sekunden auf 60 km/h", sagt Sedlak. In Österreich gibt es keine derartige Strecke. "Die nächste ist in Verona." Hierzulande gibt es nur fünf Bahnen für BMX-Racer. "Das sind zu wenige." In Frankreich seien es 300. Eine Strecke kostet mindestens 50.000 Euro.

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Trotzdem hat Österreich das eine oder andere Talent. Der 20-jährige Tobias Franek ist der derzeit Beste. Er wollte sich für Rio qualifizieren, hätte dafür bei der WM im Mai in Kolumbien antreten müssen. Der Radsportverband (ÖRV) sah allerdings kurzfristig von einer Entsendung zu den Titelkämpfen ab. Ein Ticket für Rio zu ergattern, wäre, sagt Sedlak, nicht unmöglich, aber schwierig gewesen.

Im Training wird gestemmt

Franek betreibt seinen Sport relativ professionell, er übt rund 20 Stunden pro Woche. Ein wichtiger Teil des Trainings ist das Krafttraining – etwa Gewichtheben -, um die Sprünge gut drücken zu können. "Pushen" heißt das im Fachjargon.

Ein paar private Sponsoren unterstützen Franek. Der Steirer bestreitet rund 15 internationale Rennen im Jahr. Bei den Europaspielen in Baku im Vorjahr war er 23. Gemeinsam mit dem Niederösterreicher Patrick Kager (21) und dem Steirer Walter Zeidler (17) bildet er das Nationalteam. Bei den Frauen ist Vanessa Kager (15) das derzeit größte Talent.

Während Frankreich auf 20.000 aktive BMX-Racer kommt, sind es in Österreich rund 150. Etwa drei Viertel davon sind männlich. Über mangelnden Nachwuchs will sich Sedlak, der Österreichs größtem Verein in Vösendorf angehört, jedenfalls nicht beschweren. "Wir werben wenig, die Kinder kommen von selbst."

Früh sollte man beginnen

Im Alter von fünf bis acht Jahren sollte man anfangen, will man ein Top-Racer werden. "Ab 14", sagt Sedlak, "muss man den Sport ernsthaft betreiben. Mit Mitte 20 ist man am Zenit." Ausnahmen bestätigen die Regel. Der 29-jährige Doppelolympiasieger Strombergs, der in der Platzierungsrunde am Mittwoch auf Rang sieben fuhr, versucht auch in Rio ganz vorne zu landen. Die Medaillen werden bei den Frauen wie bei den Männern am heutigen Freitag vergeben.

foto: imago/panoramic
Maris Strombergs peilt in Rio seinen dritten Olympiasieg an.

Im Endlauf treten acht Racer gegeneinander an. Sedlak, der lange Zeit selbst aktiv war, sieht im Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau einen besonderen Reiz an der Sportart. "Es ist technisch extrem anspruchsvoll und actionreich. Man braucht Überwindung."

BMX war in Europa in den 1980ern hip. Sedlak erzählt: "Auf uns kommen viele 40-Jährige zu, die damals mit BMX-Rädern fuhren." Zu Olympia werden sie es nicht mehr schaffen. Sedlak sagt, eine Quali für Tokio 2020 sei ungefähr so wahrscheinlich wie heuer. Aber es kommen noch andere Olympische Spiele. Und am Nachwuchs hapert es ja nicht. (Birgit Riezinger, 18.8.2016)

  • Seit 2008 ist BMX olympisch. Die Strecke in Rio zeichnet sich durch spektakuläre Sprünge und eine acht Meter hohe Startrampe aus.
    foto: apa/afp/carl de souza

    Seit 2008 ist BMX olympisch. Die Strecke in Rio zeichnet sich durch spektakuläre Sprünge und eine acht Meter hohe Startrampe aus.

  • Markus Sedlak (38) ortet ein strukturelles Problem in Österreich.
    foto: privat

    Markus Sedlak (38) ortet ein strukturelles Problem in Österreich.

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