Italiens kränkelndes Kreditsystem wird umgekrempelt

19. August 2016, 10:33
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Italiens Geldhäuser leiden auch unter der schlechten Bonität des Staates

Im italienischen Kreditsystem ist derzeit ein Neuordnungsprozess voll im Gang. Die drei Schwachpunkte der Banken – geringe Rentabilität, relativ dünne Kapitaldecke und ausfallgefährdete Milliardenkredite – beschleunigen den Umbau. Ein weiteres Problem der Banken ist, dass sie auch unter der schlechten Bonität des Staates leiden, der mit einer Verschuldung von 135 Prozent des BIPs zu den am höchsten verschuldeten Ländern zählt. Zugutehalten kann man den Banken Italiens, dass sie kaum mit Derivaten belastet und ausgesprochen flexibel sind.

Nicht alle Geldhäuser leiden unter den genannten Problemen. So hat etwa die Mailänder Großbank Intesa Sanpaolo beim jüngsten Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) besser abgeschnitten als ein Großteil ihrer Rivalen. Infolge des hohen Überschusskapitals bei Intesa Sanpaolo ist auch mit Akquisitionen zu rechnen. Gut im Rennen liegt auch die Mailänder Mediobanca.

Die Nullzinsen setzen nicht nur in Italien der Rentabilität des Kreditsystems zu. Doch wird diese noch durch weitere Faktoren, wie etwa die hohe Anzahl von Problemkrediten und die starke Fragmentierung im Bankenwesen (650 Kreditinstitute), belastet.

Konsolidierungen, Fusionen

Durch die eingeleitete Reform der Volksbanken soll es zur Konsolidierung im Kreditsystem kommen. Zu Jahresbeginn 2017 sollen etwa die beiden Volksbanken Popolare di Milano und Banco Popolare zur drittgrößten Bank des Landes mit einer Bilanzsumme von 170 Milliarden Euro verschmelzen. Weitere Fusionen, wie etwa Veneto Banca mit Popolare di Vicenza, bahnen sich an. Der Abbau von 16.000 Arbeitsplätzen bis 2020 soll Kosten senken und die Rentabilität erhöhen.

Die kürzlich gegründeten Bankenrettungsfonds Atlante 1 und Atlante 2 helfen nicht nur, nötige Kapitalerhöhungen zu finanzieren; Atlante 2 soll auch einen Teil der notleidenden Kredite der Problembank Monte dei Paschi di Siena (MPS) übernehmen. Diese muss auf EZB-Geheiß ihre ausfallgefährdeten Kredite bis Jahresende um zehn Milliarden senken. Erst wenn die Ausgliederung erfolgreich durchgeführt wurde, kann es zur geplanten Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro kommen.

Elf internationale Banken haben sich bereiterklärt, die Kapitalerhöhung zu garantieren. Noch ist nicht sicher, ob der MPS-Sanierungsplan gelingt. Denn ein Flop bei der Volksbefragung über die Verfassungsänderung und eine dadurch bedingte neuerliche Regierungskrise mit entsprechender Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens könnten den Plänen von MPS-CEO Fabio Viola einen Strich durch die Rechnung machen.

Vor einer Neuordnung steht auch die Bank-Austria-Mutter Unicredit, Italiens einzige internationale Bank. Der Stresstest hat klar gezeigt, dass die Kapitaldecke zu dünn ist. Abgesehen von einer Kapitalerhöhung plant Unicredit auch, Assets zu verkaufen. In den vergangenen Tagen war die Rede davon, dass CEO Jean-Paul Mustier aus Polen aussteigen und möglicherweise auch die Beteiligung beim Online-Broker Fineco komplett abgeben wolle.

Unsicher ist auch, was Unicredit mit der Beteiligung an Mediobanca machen wird. Mit 8,5 Prozent ist die Mailänder Großbank größter Einzelaktionär der Investmentbank. Gerüchte über einen Zusammenschluss von Unicredit und Mediobanca häufen sich.

Unklare Zukunft

Darüber hinaus steht auch die Zukunft der Unicredit-Tochter Pioneer auf dem Spiel. Nachdem die Verhandlungen mit der spanischen Santander Asset Management abgebrochen wurden, wird über einen Börsengang von Pioneer gemunkelt. Die Zukunft von Unicredit soll bis Jahresende geklärt sein, wenn Mustier den neuen Geschäftsplan präsentiert. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 19.8.2016)

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