Aus für "Wirtschaftsblatt": Experten sind für mehr Qualitätsförderung

18. August 2016, 18:00
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Eine Enquete zur Presseförderung soll am 19. September stattfinden – Karmasin: bisheriges Konzept zur Presseförderung gestorben

Wien/Graz – Nach dem Aus des "Wirtschaftsblatt" kommt Bewegung in die Reform der Presseförderung. Die für September geplante Enquete von Medienminister Thomas Drozda dazu ist mittlerweile fixiert, wie eine Sprecherin am Donnerstag einen "Kurier"-Bericht bestätigte. Laut APA-Infos wurde der 19. September ins Auge gefasst. Eingeladen sind demnach nationale und internationale Medienexperten.

Früheren Aussagen zufolge schwebt Drozda (SPÖ) vor, die Inseratenbudgets öffentlicher Stellen zu reduzieren und mit dem Geld die Presseförderung zu erhöhen. Zum STANDARD sagte Drozda zuletzt, dass eine Verdreifachung von derzeit neun Millionen Euro jährlich auf 30 Millionen, wie sie die Verleger fordern, nicht möglich sein werde, aber: Mein Ziel ist aber eine deutliche Erhöhung, weil das eine entscheidende Frage für die Demokratie ist." Kriterien sollen etwa die Qualität von Journalismus und die Ausbildung sein.

Presseförderung würde aufgeteilt werden

Dem "Wirtschaftsblatt" hätte auch das nicht geholfen. Auch mehr öffentliche Gelder hätten die Zeitung nicht retten können, erklärte Styria-Vorstandsvorsitzender Markus Mair. Die übrigen Tageszeitungen können 2017 nach dem Aus für das "Wirtschaftsblatt" mit mehr Presseförderung rechnen, auch wenn es dann noch keine neue Medienförderung gibt: Wird die Presseförderung nicht wie 2014 weiter gekürzt, würden jene mehr als 650.000 Euro Presseförderung auf die übrigen Titel aufgeteilt, die heuer noch an diese Styria-Zeitung gingen. Im Frühsommer 2016 wurden dem "Wirtschaftsblatt" noch 544.000 Euro Vielfaltsförderung und 114.000 Euro Vertriebsförderung überwiesen.

Ein fünfstelliger Betrag für Qualitätsförderung sollte noch im September überwiesen werden – aber nur, wenn das Wirtschaftsblatt dann noch erscheint. Die Summe fließt sonst ins Bundesbudget zurück.

Für den Medienexperten Matthias Karmasin ist mit der Einstellung eines weiteren Zeitungstitels das bisherige Konzept zur Presseförderung gestorben. Im Ö1-"Morgenjournal" forderte er einen Abschied von der Vielfaltsförderung hin zu einer Qualitätsförderung.

Haas-Studie liegt seit 2013 vor

Zur Presseförderung liegt bereits seit 2013 eine Evaluationsstudie vor. Die vom mittlerweile verstorbenen Kommunikationswissenschafter Hannes Haas durchgeführte Untersuchung im Auftrag des Bundeskanzleramts ergab, dass das derzeitige System "nicht effektiv" sei. Haas votierte für eine Inhaltsförderung anstelle einer Titelförderung. Haas sprach sich in der Studie weiters für eine Dotierung der Presseförderung in der Höhe von 15 bis 20 Mio. Euro jährlich aus. Zusätzlich sollte es über einen bestimmten Zeitraum von etwa vier Jahren eine Zusatzzahlung von 30 Millionen Euro geben, um die Verschmelzung von Print und Online zu unterstützen.

Hausjell für Journalismusförderung

Auch Medienforscher Fritz Hausjell sprach sich dafür aus, die Medienunternehmensförderung zu einer Journalismusförderung zu machen. Dies wäre eine angemessene Reaktion auf den Strukturwandel des Mediensektors. Die Presseförderung wurde zuletzt 2012 und 2014 um je rund zwei Millionen Euro gekürzt und liegt heuer laut vorläufigen Zahlen bei 8,8 Millionen Euro, darin sind auch 658.000 Euro für das "Wirtschaftblatt" vorgesehen.

Kritik an einer Reform der Presseförderung liest man in der "Kronen Zeitung" (Donnerstagausgabe).

Styria-Chef Mair hingegen hält sie, auch um Onlinejournalismus zu fördern, für notwendig. "Auch in der Kultur und in der Kunst wird nicht der Mainstream gefördert, sondern die Qualität und das, was gesellschaftspolitisch für ein Land wichtig ist. Das gilt genauso auch übersetzt auf die Medien", so Mair im ORF-Radio. Vor allem Printmedien sind seit einiger Zeit großen Turbulenzen ausgesetzt. Zu einem Auflagenrückgang ist ein Minus in der klassischen Printwerbung dazugekommen.

Laut Journalistengewerkschaft sind heuer mehr als 100 Medienjobs gefährdet – der STANDARD berichtete darüber. Für die betroffenen Journalisten wird eine Stiftung gefordert.

Sparpaket beim "Kurier"

Beim "Wirtschaftsblatt" sind laut Styria-Angaben 66 Mitarbeiter betroffen. Auch beim "Kurier" gibt es ein Sparpaket. Zuletzt wurden drei Millionen Euro an Kostensenkungen kolportiert. Laut einem Bericht der Gratistageszeitung "Heute" sollen 15 bis 18 Mitarbeiter gekündigt und fünf in Altersteilzeit geschickt werden. Zu horizont.at sagte Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger: "Wir versuchen natürlich wie in den letzten Jahren einvernehmliche Vertragsveränderungen oder auch Auflösungen zu verhandeln. Wenn es nicht gelingt, sprechen wir von bis zu 15 Kündigungen, aber davon gehe ich nicht aus." Betroffen sei nicht nur die Print-Redaktion, sondern etwa auch andere Bereiche wie die Produktion.

"Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter wollte keine Zahlen nennen. "Wir machen das, was alle machen, nämlich unsere Kosten optimieren", so Brandstätter. Es gebe dazu Gespräche mit dem Betriebsrat und einen Sozialplan. Am Mittwoch fand eine Betriebsversammlung statt. Der "Kurier"-Aufsichtsrat hatte im März eine Restrukturierung beschlossen, wonach bis Ende 2017 rund drei Millionen Euro eingespart werden sollen.

Auch das Nachrichtenmagazin "News" der Verlagsgruppe News (VGN) gilt als Dauerkandidat für Sparmaßnahmen. VGN-Chef Horst Pirker, der im Juni von Gruner+Jahr die Mehrheit des Magazinkonzerns übernommen hat, erklärte im Frühjahr, den Titel "News" mit "Abblendlicht" und "auf Sicht" zu fahren. Im STANDARD-Interview kündigte Pirker zuletzt an, um "jeden Titel" zu kämpfen, auch wenn das wirtschaftliche Ergebnis bei "News" seit Jahren negativ sei. (APA, red, 18.8.2016)

  • Presseförderung 2016.
    grafik: apa

    Presseförderung 2016.

  • Das zur Styria gehörende "Wirtschaftsblatt" wird Anfang September eingestellt.
    foto: apa/herbert neubauer

    Das zur Styria gehörende "Wirtschaftsblatt" wird Anfang September eingestellt.

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