Großes Meteoritenstreufeld in der Schweiz entdeckt

18. August 2016, 13:18
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Vor 160.000 Jahren zerbrach ein großer Eisenmeteorit in der Atmosphäre und ließ auf weiter Fläche Steine regnen

Bern – Schweizer Wissenschafter und Meteoritensammler sind im Kanton Bern auf weitere Spuren eines bedeutenden Meteoriteneinschlags gestoßen. Es handelt sich um Fragmente des nach seinem Fundort benannten Eisenmeteoriten Twannberg, von dem erstmals 1984 ein größeres Stück entdeckt worden war.

Lange Fundgeschichte

Eine Bäuerin fand dieses erste Fragment damals beim Steinesammeln auf einem Feld, wie das Naturhistorische Museum Bern berichtet. Lange Zeit blieb es dabei, erst im Jahr 2000 wurde ein zweites Exemplar auf dem Dachboden eines alten Hauses in Twann gefunden. Bis 2007 erfolgten drei kleine Funde von Goldwäschern, zwischen 2009 und 2013 gelang der Fund von 78 Meteoriten mit Massen bis 177 Gramm. Trotz der massiv gestiegenen Anzahl an Funden blieb weiterhin unklar, wie weit diese Meteoriten vom Bach transportiert wurden.

Die große Zahl der Funde in relativ kurzer Zeit wiesen jedoch darauf hin, dass es sich um einen großen Eisenmeteoritenschauer gehandelt haben dürfte. Der Twannberg-Meteorit ist noch in der Atmosphäre in unzählige Stücke zerrissen worden. Die Bruchstücke des Asteroiden fielen über ein Gebiet noch unbekannter Ausdehnung im Schweizer Jura, nördlich des Bieler Sees im heutigen Kanton Bern.

foto: nmbe/peter auchli
Neue Funde von Twannberg-Fragmenten werden weiterhin laufend gemeldet.

Ein entscheidender Fund gelang 2013, weil es sich um das erste Exemplar handelte, das neu im Gebiet des Erstfundes aufgesammelt wurde. Ab 2014 führte Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern insgesamt fünf Suchkampagnen durch. Bis zum 1. Juni 2016 wurden von den Schweizer Wissenschaftern und 50 Meteoritensammlern aus verschiedenen Ländern insgesamt 570 Stücke mit einem Gesamtgewicht von 72,5 Kilo gefunden.

Das Ding

Die Erforschung des Streufeldes ist noch im Gange, aber bereits klar ist: Es ist sehr groß, die Zahl der Meteoritenfragmente liegt wohl weit über 1.000. Das bisherige Fundgebiet erstreckt sich über eine Länge von fünf Kilometer – es könnten aber auch 15 Kilometer sein. Krater sind bislang keine gefunden worden, was laut den Forschern auf die Vergletscherung des Gebiets vor 24.000 Jahren zurückzuführen sein dürfte.

Messungen der Edelgasgehalte am Physikalischen Institut der Universität Bern deuten darauf hin, dass der ursprüngliche Himmelskörper einen Durchmesser von 6 bis 20 Metern aufwies, was einer Masse von 1.000 bis 30.000 Tonnen entspräche. Twannberg würde damit zu den weltweit größten bekannten Eisenmeteoriten gehören. Der Einschlag wurde von Berner Physikern in Zusammenarbeit mit Forschern am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in Deutschland auf ein Alter von rund 160.000 Jahren datiert. (red, 18. 8. 2016)


Am 19. August eröffnet das Naturhistorische Museum Bern die Sonderausstellung "Twannberg-Meteorit – Jäger des verlorenen Schatzes", die der Öffentlichkeit Einblick in die Grabungs- und Forschungsarbeiten ermöglichen wird.

  • Ein Meteoritensammler auf der Pirsch.
    foto: nmbe/peter auchli

    Ein Meteoritensammler auf der Pirsch.

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