Ärzte ohne Grenzen: "Aleppos Situation ist katastrophal"

18. August 2016, 08:31
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Laut Volker Westerbarkey, Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, mangelt es an allem – selbst einfache Operationen seien kaum möglich

München/Damaskus – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat auf die verheerende Verschlechterung der medizinischen Versorgung in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo verwiesen. "Die Situation ist wirklich katastrophal. Die Krankenhäuser sind überladen mit Kriegsverletzten", sagt Volker Westerbarkey, Präsident der deutschen Sektion von MSF, am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk.

Da schon längere Zeit keine Lieferungen mehr möglich seien, gebe es nicht ausreichend Verbandsmaterial. Laut Westerbarkey mangelt es an allem, etwa an Beatmungsgeräten. "Aber auch ganz einfache Operationen wie eine Blinddarmoperation oder ein Kaiserschnitt für eine hochschwangere Frau sind kaum möglich, weil einfach die notwendigen Materialien nicht mehr vorhanden sind."

Westerbarkey machte zudem auf die verheerende Sicherheitslage von Krankenhäusern in Aleppo aufmerksam: "Die Menschen fürchten sich vor Krankenhäusern, weil sie wissen, dass sie dort einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, als wenn sie zuhause bleiben." Der Experte forderte deshalb eindringlich alle Kriegsparteien auf, den Schutz der medizinischen Einrichtungen und der Versorgungswege zu gewährleisten.

Kinder besonders gefährdet

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte zuletzt angeregt, medizinische Hilfsgüter über den Luftweg nach Aleppo zu bringen, solange der Landweg versperrt ist.

Die Vorsitzende der Organisation Save the Children, Helle Thorning-Schmidt, machte im Gespräch mit AFP auf die katastrophale Lage der Kinder in Aleppo aufmerksam. 100.000 Kinder seien "in großer Gefahr", sagte die frühere dänische Ministerpräsidentin in London. "Sie haben keinen Zugang zu Trinkwasser, keine Nahrung, Probleme einen Unterschlupf zu finden", so Thorning-Schmidt. Auch sie verwies darauf, dass Krankenhäuser bombardiert würden.

Eklatanter Ärztemangel

Vielerorts gebe es kein sauberes Wasser. Daraus folgten Krankheiten wie Durchfall, woran ohnehin geschwächte Kinder sterben könnten. Mitarbeiter von Save the Children vor Ort berichten, dass mindestens ein Drittel der Verletzten Kinder seien.

Die Konfliktparteien in Syrien kämpfen um die Kontrolle über die zweitgrößte Stadt des Landes. In Aleppo kontrollieren Rebellen seit dem Jahr 2012 mehrere östliche Viertel. Die Regierungstruppen haben die Zufahrtswege zu den Vierteln abgeschnitten, so dass rund 250.000 Menschen dort ohne Versorgung eingeschlossen sind. Im Ostteil der Stadt sollen lediglich noch 35 Ärzte arbeiten. (APA, AFP, 18.8.2016)

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