Kongo: Drei Tote bei Protesten nach Massaker

17. August 2016, 22:39
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Demonstration gegen die Regierung – Frau von aufgebrachter Menge getötet

Beni – Bei Protesten nach einem Massaker im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind am Mittwoch mindestens drei Menschen getötet worden. Ein Polizist und ein Zivilist wurden bei Zusammenstößen während einer Demonstration getötet, wie der Bürgermeister der Stadt Beni, Edmond Masumbuko, mitteilte. Drei Zivilisten und drei Soldaten seien verletzt worden. Zudem sei eine Frau getötet worden, die mit den Verantwortlichen des Massakers in Verbindung gebracht wurde.

Am Samstagabend waren bei einem Überfall in Beni mindestens 50 Zivilisten getötet worden. Die Regierung und die UN-Mission im Kongo machen die Islamistengruppe Alliierte Demokratische Kräfte (ADF) für das Blutbad verantwortlich. In der Nähe des Tatorts wurde am Mittwoch nach Angaben des Bürgermeisters eine Frau angegriffen, die für ein Mitglied der Rebellengruppe gehalten wurde. Sie wurde mit Steinen und Stöcken zu Tode geprügelt, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Ihre Leiche wurde demnach angezündet.

Tränengas und Warnschüsse

Zuvor hatten sich hunderte Menschen im Zentrum der Stadt zu Protesten versammelt. Sie warfen der Regierung vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor der Gewalt in der Region zu schützen. Polizisten und Soldaten feuerten Tränengas und Warnschüsse ab, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Demonstranten errichteten jedoch Barrikaden.

Über den getöteten Demonstranten sagte ein Augenzeuge, der ungenannt bleiben wollte, ein Polizist habe den Mann aus nächster Nähe erschossen. Auch der Vorsitzende der Bewegung örtlicher zivilgesellschaftlicher Gruppen, Gilbert Kambale, sagte, ein Polizist habe den jungen Mann getötet.

Ein AFP-Reporter sah die Festnahme von sechs Demonstranten. Sie wurden gewaltsam festgenommen und in ein Militärfahrzeug gestoßen. Auf dem größten Markt der Stadt wurden ein Bild des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila und Flaggen seiner Partei PPRD verbrannt. Auch am Abend war die Stimmung in Beni noch aufgeheizt.

Hunderte Tote bei Massakern in vergangenen Jahren

Die Demonstration fand am letzten Tag einer dreitägigen Trauerzeit statt, zu der zivilgesellschaftliche Gruppen nach dem Massaker vom Samstagabend aufgerufen hatten. Die ursprünglich aus dem Nachbarland Uganda stammende Gruppe ADF ist seit mehr als 20 Jahren im Kongo präsent und wird für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

In Beni und Umgebung hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Massaker an Zivilisten gegeben. Seit Oktober 2014 wurden rund 650 Menschen getötet. Die rohstoffreiche Demokratische Republik Kongo ist seit Jahrzehnten geprägt von Gewalt, Armut, politischer Instabilität und Korruption. In der Provinz Nord-Kivu, wo Beni liegt, kämpfen zahlreiche bewaffnete Gruppen um Einfluss. (APA, 17.8.2016)

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