Viele Regeln erschweren den Österreichern das Mülltrennen

18. August 2016, 09:00
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Sammeln und Verwerten von Verpackungen ist Sache von Gemeinden, der Müll wird ganz unterschiedlich entsorgt

Wien – Unter der Federführung des Umweltministeriums fand in den letzten Monaten eine Art "Stakeholder-Prozess" statt mit dem Ziel, sich die Verpackungssammlungen anzusehen. Denn zwar wird in den allermeisten österreichischen Haushalten pflichtbewusst getrennt gesammelt. Doch wollte man wissen, ob es "Optimierungspotenzial" gibt.

Grund für die Suche nach Verbesserungen war, dass es einen EU-Vorschlag für eine Erhöhung der Sammelquoten für alle Verpackungen gibt. Und außerdem ist das österreichische Sammelwesen ausgesprochen unübersichtlich, wird es doch auf Gemeindeebene geregelt.

Verschiedene Systeme

Das Ergebnis der runden Tische, bei denen sich Vertreter von Bund, Ländern, Sammlern, Verwertungssystemen und Entsorgungsbetrieben zusammenfanden: Ja, es gebe viele Verbesserungsmöglichkeiten, schließlich gibt es bei den Leichtverpackungen (Getränkeverbundkartons, Kunststoffe, Holz, biogene Packstoffe et cetera) österreichweit etwa elf verschiedene Systeme, wie gesammelt wird.

Da wird manchmal in Plastiksäcken Metall zusammen mit Kunststoff gesammelt und regelmäßig vor die Haustür gestellt. Da werden in manchen Städten und Gemeinden Plastikflaschen und andere Kunststoffverpackungen (zum Beispiel Folien) in ein und dieselbe Mülltonne geworfen. Woanders, zum Beispiel in Wien, ist das ein No-Go: Da sollen nur Plastikflaschen in die Tonne. Andere Kunststoffe müssen in den Restmüll und werden verbrannt. Österreichweite Unterschiede gibt es auch beim Sammeln von Papier (Zeitungen und Kartons), Getränkeverbund – und eigentlich bei allen Sammelkategorien.

System gut eingespielt

"Wie gesammelt wird, hängt natürlich von den Möglichkeiten der Verwertung in der Region ab", sagt Petra Wieser, Geschäftsführerin vom Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer. Weil vieles historisch gewachsen ist, will man derzeit nichts groß ändern oder bundesweit angleichen, heißt es aus dem Umweltministerium, auch wenn es aus ökologischer und ökonomischer Sicht langfristig sinnvoll wäre. Doch eine Umstellung kostet viel Geld, und das derzeitige System sei gut eingespielt. Jedenfalls haben sich die Stakeholder im Umweltministerium darauf geeinigt, dass zumindest bei angrenzenden Gemeinden in den nächsten Jahren ein bisschen angeglichen wird.

Vor allem der Konsument, ein "begeisterter Sammler", wird bemüht, wenn eine Erklärung dafür gegeben wird, warum es so unterschiedliche Regeln gibt: Den Kunden, der im Jahr 115,4 Kilo sammelt, umzuerziehen, sei nämlich schwierig. Bekannte Wegschmeißmuster seien ihm nicht so leicht abzugewöhnen. Zum Beispiel Wien: Da gebe es in der Tonne für die sogenannte Hohlkörpersammlung immer wieder viel anderes Kunststoffzeugs als die dafür vorgesehenen Pet-Flaschen. Neben dem dabei immer üblichen Vandalismus sei es auch Unwissenheit, wenn die alte Luftmatratze dort hineingeschmissen wird.

Erhalt des Status quo

Auch bei den Sammel- und Verwertungsbetrieben ist man eher am Erhalt des Status quo interessiert als an Änderungen und Angleichungen. Neben Platzhirsch ARA (Altstoff Recycling Austria) samt Tochter AGR Austria Glas, die zusammen rund 80 Prozent des Marktes abdecken, gibt es seit vor allem noch Interseroh Austria und Reclay UFH. Erst im Mai wurden bei einer Verlosung die einzelnen Sammelregionen für die Haushaltssammlung den Betreibern zugewiesen – und zwar für die fünf Jahre 2018 bis 2022. ARA bekam entsprechend seinen Marktanteilen die Sammelregion Wien "zugelost", so das Umweltministerium auf seiner Homepage. (Johanna Ruzicka, 18.8.2016)

  • Will man die Kunststoffflaschen weiterverwerten, muss der Müll möglichst sortenrein sein. In die "Froschaugenbehälter" genannten Tonnen sollen nur Pet-Flaschen – zumindest in Wien.
    foto: ho

    Will man die Kunststoffflaschen weiterverwerten, muss der Müll möglichst sortenrein sein. In die "Froschaugenbehälter" genannten Tonnen sollen nur Pet-Flaschen – zumindest in Wien.

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