Präkolumbische Tierhaltung: Kaninchenzucht in Teotihuacán

18. August 2016, 10:54
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Mangels größerer Nutztiere domestizierte man in Teotihuacán offenbar schon früh Hasen und Kaninchen

San Diego / Wien – Zur Hochblüte im 5. und 6. Jahrhundert war Teotihuacán im heutigen mexikanischen Bundesstaat México eine der größten Städte der Welt: Über 100.000 Menschen lebten damals in der schachbrettartig angelegten Stadt, die etwa seit dem Jahr 100 zum wirtschaftlichen, militärischen und politischen Zentrum Mesoamerikas aufgestiegen war.

Die umfangreichen Hinterlassenschaften dieser Zivilisation werden seit Jahrhunderten erforscht – und doch fehlt es noch an grundlegenden Erkenntnissen, etwa zum Niedergang der Kultur ab dem Jahr 650. Unser Bild vom einstigen Alltagsleben in Teotihuacán wird aber immer schärfer.

So entdeckten Forscher 2014 die ältesten Spuren alkoholischer Getränkeherstellung in ganz Amerika: Pulque, ein bis heute in Mexiko als Nationalgetränk geltendes Gärgetränk aus Agavensaft, wurde in Teotihuacán schon vor rund 1800 Jahren gebraut.

Skulptur und Knochen

Nun berichtet ein Team um Andrew Somerville (University of California in San Diego), dass die Stadtbewohner zu dieser Zeit offenbar auch Hasen und Kaninchen gezüchtet haben: Darauf lassen Untersuchungen von über hundert Knochenresten schließen, wie die Forscher im Fachblatt "Plos One" schreiben.

Isotopenanalysen zeigen, dass die Tiere vorrangig landwirtschaftliche Produkte wie Mais fraßen. Auch Spuren von Schlachtungen und der Fund einer hasenartigen Skulptur weisen auf eine wichtige Rolle der Kleintiere als Nahrungs- und Felllieferanten hin. Doch warum ausgerechnet Hasen und Kaninchen?

"Im präkolumbischen Mexiko standen keine großen Säugetiere wie Ziegen oder Rinder zur Verfügung", so Somerville. "Wir vermuten, dass in Teotihuacán deshalb kleinere Nutztiere einen ebenso wichtigen Platz einnahmen wie größere anderswo." (dare, 18.8.2016)

  • Blick auf die Sonnenpyramide (links hinten) in Teotihuacán. In der Metropole lebten einst mehr als 100.000 Menschen – und offenbar auch zahlreiche Hasen und Kaninchen.
    foto: jackhynes/wikimedia

    Blick auf die Sonnenpyramide (links hinten) in Teotihuacán. In der Metropole lebten einst mehr als 100.000 Menschen – und offenbar auch zahlreiche Hasen und Kaninchen.

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