Privatisierung: Bashneft muss warten

17. August 2016, 18:42
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Privatisierung des russischen Ölkonzerns verschoben

Die russische Regierung hat die für den Herbstbeginn geplante Privatisierung des Ölkonzerns Bashneft überraschend abgesagt. "Jetzt rückt der Verkauf von Rosneft in den Vordergrund. Darauf müssen wir uns konzentrieren", begründete Vizepremier Igor Setschin am Mittwoch den Stimmungsumschwung in der Regierung. Seinen Angaben nach hat Ministerpräsident Dmitri Medwedew die Entscheidung zur Verschiebung getroffen, um Möglichkeiten eines "effektiveren Verkaufs" auszuloten. Der Beschluss sei von Präsident Wladimir Putin abgesegnet worden. Ein neues Datum für die Privatisierung steht noch nicht fest.

Ursprünglich hatte die Regierung vor, 60,2 Prozent der Stammaktien zu veräußern. Anfang August hatte Igor Schuwalow den Preis dafür auf rund drei Milliarden Dollar geschätzt, eine Woche später erhöhte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew die Latte schon auf umgerechnet gut 4,5 Milliarden Dollar. Trotzdem hatten sich um das Paket neun Wettbewerber beworben.

Streit löste dabei die Teilnahme von Rosneft an der Ausschreibung aus. Im Juli hatte Putin die Regierung noch angewiesen, keine Staatskonzerne zur Auktion zuzulassen. Mehrere Regierungsbeamte traten daher offen gegen Rosneft auf: "Ich meine, dass Rosneft faktisch ein Staatsunternehmen ist, auch wenn es formell (der Holding) Rosneftegas und nicht (der Behörde für Staatseigentum) Rosimuschestwo gehört", kritisierte Uljukajew die Beteiligung des Branchenprimus.

Rosneft macht Lobby geltend

Rosneft-Chef Igor Setschin, ein enger Vertrauter Putins, gab sich ungerührt: Ein direktes Verbot, sich zu beteiligen, gebe es nicht. Er sehe daher keinen Grund zum Rückzug, sagte er.

Die nun verkündete Verschiebung der Privatisierung wird als Erfolg Setschins bewertet, denn als Favorit bei der Auktion galt Rosneft-Konkurrent Lukoil. Setschin habe Putin davon überzeugen können, das Russland Bashneft nicht nationalisiert habe, um es dann an Lukoil zu verkaufen, sagte ein anonymer Regierungsbeamter der Tageszeitung Wedomosti. Setschin war einst treibende Kraft hinter der Zerschlagung des Yukos-Konzerns, aus dessen Erbe das Rosneft-Imperium hervorgegangen ist, später festigte er die Dominanz durch die Übernahme des Konkurrenten TNK-BP.

Für den russischen Haushalt und die Bashneft-Aktionäre ist der Aufschub schlecht. Bashneft galt als am einfachsten zu veräußerndes Aktivum, die Einnahmen waren fest in der Etatplanung eingerechnet. An der Börse brachen die Papiere zunächst massiv (um 13 Prozent) ein, konnten im Tagesverlauf aber zumindest einen Teil der Verluste wettmachen. (André Ballin aus Moskau, 18.8.2016)

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