Das Trauerspiel nach dem geplatzten Goldtraum

17. August 2016, 18:12
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Die brasilianischen Volleyballerinnen rangen um Fassung. Völlig überraschend mussten sie sich im Viertelfinale den Chinesinnen geschlagen geben. 2008 und 2012 hatte Brasilien noch Gold gewonnen

Rio de Janeiro – "Mir fehlen die Worte, ich kann das alles noch gar nicht verstehen", sagte Fabiana, Kapitänin des brasilianischen Volleyballteams. Eben war ihr Team sensationell schon im Viertelfinale gescheitert. Sowohl vor vier Jahren als auch vor acht Jahren hatten die Brasilianerinnen noch Gold geholt.

Mit 2:3 (15, -23, 22, 22, -13) unterlagen die Gastgeberinnen den Chinesinnen, die sich von den Buhrufen des Publikums im Maracanãzinho nicht aus der Ruhe bringen ließen. Nach fünf Erfolgen hintereinander ohne Satzverlust stürzte China die Südamerikanerinnen in eine tiefe Depression. Die Brasilianerinnen seien von der "Chinesischen Mauer" gestoppt worden, war auf der Website des TV-Senders Rede Record zu lesen.

"Es tut mir leid. Ich will mich bei ganz Brasilien entschuldigen", sagte Zuspielerin Danielle Rodrigues Lins. Und Libera Léia sagte: "Es ist die pure Trauer. Wir wollten alles gewinnen. Es ist jetzt hart, über die Niederlage zu sprechen." Die Brasilianerinnen verloren nach einem konzentrierten Start die Kontrolle gegen die immer stärker aufdrehenden Chinesinnen. Gegen die mit 28 Punkten überragende Außenangreiferin Ting Zhu fanden sie in einem packenden Spiel über mehr als zwei Stunden kein Mittel.

Trainer Zé Roberto ließ sich von seinem aufs Feld geeilten Enkel Felipe trösten. Letztmals hatte Brasilien 1988 in Seoul den Einzug ins Halbfinale verpasst. "Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl beschreiben soll", sagte Außenangreiferin Jaque, die ihr verweintes Gesicht tief in ihrem Trikot verbergen wollte. "Wir wussten, dass es ein schweres Spiel werden würde. Unser Aufschlag hat aber irgendwann aufgehört zu funktionieren", analysierte Rodrigues Lins.

Mit dem Thema Rücktritt aus dem Nationalteam wollten sich Routiniers wie Jaque (32) oder Sheilla (33) vorerst nicht beschäftigen. "Ich werde so traurig. Die Trauer ist so groß", sagte Sheilla. Medienberichten zufolge wird sie aber genauso wie Fabiana (31) und Jaque ihre Karriere im Nationalteam beenden. Die Zukunft Zé Robertos, immerhin seit 2003 Coach, ist ungewiss. Ein neues Team um Natália (27) und Gabi (22) muss aufgebaut werden.

Die Chinesinnen hingegen, die nur mit Mühe die Gruppenphase überstanden hatten, hoffen nun auf den dritten Olympiasieg nach 1984 und 2004. Im Halbfinale treffen sie heute Abend auf die Niederlande. Um das zweite Finalticket spielen die USA und Serbien. Brasiliens Volleyballerinnen ringen derweil um Fassung. (dpa, red, 17.8.2016)

  • Untröstlich: Jaqueline.
    foto: reuters/herman

    Untröstlich: Jaqueline.

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