Marcus und Maradona

17. August 2016, 17:46
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Wanderer, kommst du nach Rio, so richte im Boteco Sonho Lindo in Botafogo unsere besten Grüße aus. Boteco heißt Wirtshaus, Sonho Lindo heißt schöner Traum, und der Wirt heißt Marcus. Marcus hat einen Kompagnon, der sich nicht vorgestellt hat, wir haben ihn "Diego" getauft, er sieht dem weltbesten Kicker aller Zeiten sehr ähnlich. Marcus und Diego tischen auf, dass es eine Freude ist, das Frango grelhada com arroz e purê de batatas oder auch Grillhenderl mit Reis und Kartoffelpüree ist zum Niederknien. Zu trinken gibt es auch, und zwar in 0,6-Liter-Flaschen, das geht gerade noch als Krügerl durch.

Marcus und Diego sprechen ausgezeichnet Portugiesisch, wir können immerhin ausgezeichnet "Bom dia" und "Obrigado" sagen. Doch kaum sieht man sich, zeigen die Daumen nach oben, diese Geste ist eine der wichtigsten in Brasilien, sie bedeutet, dass alles passt. Das Sonho Lindo liegt gleich ums Eck vom Haus mit dem Standard-Room. Ein paar Tische und Sessel stehen auf dem Gehsteig, der sich mit einem Baldachin überdachen lässt. Und es gibt quasi sogar Public Viewing, ein Fernseher hängt drinnen, einer draußen, auf dem einen läuft Olympia, auf dem anderen läuft brasilianischer Liga-Fußball, da sehen mehr Leute zu.

Seinerzeit ist der große Schriftsteller und Wahlbrasilianer Stefan Zweig noch so richtig ins Schwärmen geraten. "Es ist ein ewiges Aus und Ein bis spät in die Nacht. Dann funkeln und leuchten, gegen die große Dunkelheit der Häuser gestellt, diese schattigen Gelasse wie schimmernde Höhlen." Das ist auch schon gut 75 Jahre her. Heute fragen wir Marcus endlich mit Händen und Füßen, wie sein Kompagnon denn wirklich heißt. Und Marcus sagt: "Maradona!" (Fritz Neumann, 17.8. 2016)

  • Augenschmaus. Und mehr als das!
    foto: matthias cremer

    Augenschmaus. Und mehr als das!

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