Rechtsextreme Österreicher: Unister weist Vorwurf zurück

17. August 2016, 16:21
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"Die Zeit": "Zwei Österreicher mit Neonazi-Biografien" waren als Teilhaber und Berater bei Unister involviert – Laut Zeitung handelt es sich um Schimanek jun. und Rade

Leipzig – Der insolvente Leipziger Internetkonzern Unister, Betreiber von Reiseportalen wie fluege.de, wehrt sich gegen den Verdacht, unter dem Einfluss von Rechtsextremisten zu stehen. In dem Unternehmen seien "keine vorbestraften Menschen mit rechtsextremer Biografie als Berater und Teilhaber aktiv", erklärte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Zuvor hatte die Wochenzeitung "Die Zeit" gemeldet, dass "zwei Österreicher mit Neonazi-Biografien" Einfluss bei Unister gewonnen hätten. Bei den Männern handelt es sich laut der Zeitung um den in Österreich geborenen früheren deutschen Politiker Reinhard Rade (Die Republikaner). Er schaffte es offenbar, sich das Vertrauen mehrerer Unister-Gesellschafter zu erwerben und zeitweise zum Besitzer einer Firma zu werden, die heute zweitgrößter Aktionär der Unister-Tochter Travel24 ist. Im Jahr 2015 verkaufte Rade seine Anteile an den Freund und Geschäftspartner Hans Jörg Schimanek jun. weiter. Schimanek war im Jahr 1995 in Wien wegen NS-Wiederbetätigung zu acht Jahren Haft verurteilte worden.

Beteiligung von Schimanek "bedauerlich"

Möglicherweise habe Rade im Jahr 2013 zwischenzeitlich das Vertrauen der Geschäftsleitung bei Unister genossen, erklärte Flöther dazu. "Die Wege trennten sich jedoch bald, nachdem der Geschäftsleitung dessen Gesinnung bekannt wurde."

Dass Schimanek über seine Schweizer Firma Travel24-Aktien hält, sei zwar "bedauerlich" habe aber keinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb, versicherte Flöther. Zudem gehe Unister rechtlich gegen die Loet Trading vor. Das Landgericht Leipzig habe die Firma bereits verurteilt, ihre Travel24-Aktien an den Konzern zurückzugeben.

"Unister distanziert sich zudem stets klar von rechtsradikalem Gedankengut", betonte Flöther. In dem Konzern seien Mitarbeiter aus mehr als 30 Nationen beschäftigt.

Große Zahl an Interessenten

Flöther wies zugleich darauf hin, dass die Geschicke von Unister im Insolvenzverfahren "ausschließlich in den Händen der Gläubiger" lägen. Seit Montag können mögliche Käufer nach Abgabe einer Vertraulichkeitserklärung die Bücher prüfen. Nach Angaben Flöthers vom Monatsanfang gibt es "eine große Zahl" von Interessenten.

Die Unister Holding hatte Mitte Juli Insolvenz angemeldet, nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit dem Flugzeug verunglückt war. Mehrere Tochterfirmen rutschten danach ebenfalls in die Insolvenz. Zu dem Internetkonzern gehören mehr als 40 Internet-Portale. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter, davon knapp 900 bei insolventen Gesellschaften. (APA, 17.8.2016)

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