Auch die Unansehnlichen und sogar die Schädlichen brauchen Schutz

18. August 2016, 09:00
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Wissenschafter plädieren dafür, dass Lebewesen auf möglichst allen Stufen der Nahrungskette geschützt werden sollten

Wien – Die Unterstützung für Artenschutzbemühungen leiden seit jeher unter einem mehrfachen Bias: Wir Menschen zählen insgesamt gesehen zu den Riesen im Tierreich und kümmern uns eher um Spezies, die einigermaßen in unseren Dimensionen liegen, als um solche in viel kleineren. Mit uns verwandte Arten – vor allem Säugetiere – liegen uns mehr am Herzen als beispielsweise Quallen oder Schnecken. Und um "schön" oder "niedlich" anzusehende Arten kümmern wir uns eher als um "hässliche".

Biologen beklagen dies immer wieder. Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung fordert nun im Fachjournal "Nature" einmal mehr, dass nicht nur ausgesuchte, hübsch anzusehende oder nützliche Pflanzen- und Tierarten, sondern Lebewesen auf möglichst allen Stufen der Nahrungskette geschützt werden sollten. Artenreichtum auf vielen Ebenen sei nämlich wichtig, damit Ökosysteme Nutzen bringen können.

Das Zusammenspiel ist wichtig

Bisher habe man typischerweise nur einzelne Nahrungsgruppen betrachtet, wenn man die Folgen des Artenreichtum-Schwundes untersuchte, kritisieren die Wissenschafter. Sie haben nun bei 150 Graslandschaften Deutschlands ermittelt, wie der Artenreichtum auf neun verschiedenen Nahrungsketten-Stufen, von Moderorganismen im Boden bis Fleischfressern, mit den Nutzleistungen von Ökosystemen zusammenhängt.

Hoher Artenreichtum über mehrere Stufen der Nahrungskette erhöht die Nützlichkeit von Ökosystemen viel mehr, als wenn die Vielfalt auf einzelne Niveaus beschränkt ist, berichten die Forscher, darunter Swen Renner vom Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur Wien und Stephanie Socher vom Fachbereich Ökologie und Evolution der Uni Salzburg. Zum Beispiel war bei breit verteiltem Artenreichtum der Erholungswert durch eine höhere Vielfalt an Blumen und Singvögeln höher, und Krankheitserreger und Schädlinge konnten dort viel weniger ausrichten.

Der starke Fokus auf einzelne Gruppen und Niveaus habe dazu geführt, dass die funktionelle Bedeutung der Artenvielfalt bisher stark unterschätzt wurde, meinen die Wissenschafter. Außerdem würden ihre Ergebnisse zeigen, dass man eine große Bandbreite an Arten schützen muss, will man die Nutzleistungen von Ökosystemen weiterhin genießen. Dies inkludiere beispielsweise bisher vernachlässigte und geächtete Gruppen wie Moderbakterien und Moderpilze im Boden. Und es müsse sogar Insekten miteinschließen, die in der Landwirtschaft als Schädlinge gelten. (red, APA, 18. 8. 2016)

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